Eingeschlafen, und dann?„Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Matthäus 26,41 Die kalte Nacht ging dem Ende zu, der Hahn krähte bereits ein zweites Mal. Erschrocken schaute Petrus auf und blickte in das Gesicht seines Meisters, der ihn traurig, aber voller Liebe ansah. Sein Meister – wie entstellt sah er aus! Wie musste er leiden! Dennoch konnte Petrus keine Spur von Ärger darin sehen, nur Kummer und Mitleid – mit ihm, der gerade dreimal fest behauptet hat, den Meister nicht zu kennen. Deutlich erinnerte sich Petrus nun an die zur Vorsicht mahnenden Worte seines Herrn, dass er ihn dreimal verleugnen werde, ehe der Hahn denn zweimal kräht. Zutiefst betroffen rannte Petrus davon. Nun lag er hier im Garten, wo die ganze Tragödie ihren Anfang nahm und weinte bitterlich. Wie gern hätte er die letzten Stunden ungeschehen gemacht. In tiefer Reue dachte er daran, dass Jesus allein gebetet und geweint hat, während sie schliefen. Er erinnerte sich der ernsten Aufforderung seines Meisters: „Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!“ Und wie sorglos ist er doch eingeschlafen, nichts ahnend, was in Kürze alles auf ihn zukommen würde! Konnte er deshalb so leicht überwältigt werden? Ja, eingeschlafen ist er, und dann haben ihn die Umstände dazu gebracht, seinen Meister zu verleugnen. Sein geliebter Meister in grausamer Gewalt - das erschütterte seine ganze Vorstellung von ihm als Messias. Nun fürchtete er sich. Ja, die Umstände, Schreck und Verwirrung, diese neugierige Türhüterin und all die Schaulustigen … Wirklich die Umstände? Wäre Petrus beauftragt wurden, für seinen Meister zu kämpfen, wäre er bestimmt ein tapferer Streiter gewesen. Das entsprach seinem Wesen, schließlich versuchte er es schon im Garten, als er so mutig mit dem Schwert in die Menge der Soldaten schlug, die seinen Herrn fesselten. Doch als man mit Misstrauen und Verachtung auf ihn schaute, erwies er sich als Feigling. Er mischte sich unter die grobe Menschenmenge, die den Heiland unter Schimpf und Spott gefangen weggeführt hatte und auch während der Gerichtsverhandlung nur Schmähungen für ihn übrig hatte. Unter keinen Umständen wollte Petrus zu erkennen geben, dass er auch zu seinem Jüngerkreis gehört. Nein, er wechselte nicht zu den Gegnern, er wollte lediglich unerkannt bleiben. Petrus versuchte in der Menge gleichgültig zu erscheinen, aber es gelang ihm nicht. Sein Herz litt schwer unter der grausamen und schmachvollen Behandlung, die sein Meister über sich ergehen ließ. Doch die vorgetäuschte Gleichgültigkeit barg große Gefahr in sich. Letztendlich verriet er seinen Herrn nicht nur mit Worten, sondern durch sein ganzes Handeln. Geht es uns nicht manchmal ähnlich? In offenkundig schwierigen Situationen würden wir nicht so schnell versagen. Wir hätten uns innerlich darauf eingestellt. Doch wie ist das mit den unscheinbaren Situationen? Wenn man uns im Alltag auch nur belächeln könnte, werden wir eher dazu gebracht, unseren Glauben zu verleugnen. Im Umgang mit Menschen, deren Freundschaft oder Wohlwollen uns eigentlich nicht wichtig sein sollte, versagen wir viel schneller. Warum? Werden wir in unserem Christenleben nicht auch manchmal träge oder schlafen gar ein? Musste uns der Heiland durch manche Umstände schon einmal unsanft aus dem Schlummer wecken, um wieder mit ihm zu wachen und zu beten? Wollte er uns in stiller Andachtszeit schon manchmal auf die Überraschungen des Tages vorbereiten, während wir noch schlafen wollten und uns später nur ein paar Augenblicke für ihn Zeit nahmen - kaum genug, um mit ihm zu reden, geschweige denn, ihm wirklich zuzuhören? Das ist der entscheidende Punkt. Petrus war kein schlechter Jünger, im Gegenteil. Wenn es um das Wohl oder die Ehre seines Meisters ging, war er leidenschaftlich und impulsiv, schnell zur Tat bereit und immer mit dem Mund voraus. Er liebte seinen Meister über alles! Aber er nahm sich nicht die Zeit, ihn zu verstehen. So war er unvorbereitet, wusste die Situation nicht so recht einzuschätzen, reagierte unüberlegt und musste versagen. Wir lieben unseren Heiland, sind gute Christen und meinen es wirklich ernst. Schließlich tun wir sehr viel für ihn! Doch lasst uns trotz der vielen Aufgaben, die an uns gestellt werden, nicht versäumen, still zu werden und wirklich Zeit mit unserem Heiland zu verbringen, Zeit, ihn kennen und verstehen zu lernen, Zeit, mit ihm zu reden und Zeit, auf ihn zu hören. Zeit zu haben, ist ein Qualitätszeichen unserer Freundschaft zu Gott – nicht nur für Rentner und Arbeitslose, sondern für alle, die mit beiden Beinen so richtig mitten im Leben stehen. Denn aus dieser stillen Zeit der Gemeinschaft mit unserem großen Gott schöpfen wir ungeahnte Kraft und müssen uns nicht mehr von den Umständen treiben lassen. Standest du auch schon vor einem Scherbenhaufen? Umstände sind nie eine Entschuldigung für unser Versagen, aber Versagen ist stets eine Chance zum Neubeginn. Jesus schaut auch dich wie einst den Petrus an. Mitfühlend und liebevoll verstehend lädt er dich ein, neu mit ihm zu beginnen. |
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