Drittes Kapitel

… winkt mir zu: „Ich liebe dich!“

Vertrauen bewältigt Leiden, tröstet in Krankheit und schenkt Hoffnung

Es war nachts. Alle schliefen – bis auf mich. Ich konnte die gleichmäßigen Atemzüge meines Mannes kaum wahrnehmen, denn ich kämpfte ums Überleben. Mir war heiß und kalt, übel und unvorstellbar schwindelig. Ich rang um Luft, doch selbst die kalte Winterluft des großen weit geöffneten Fensters wollte mir nicht reichen. Ich fühlte mich sterben, mein ganzer Körper war durch diese undefinierbare und unbekannte Krankheit völlig aus dem Gleichgewicht geraten und rebellierte. Aber ich wollte doch nicht sterben! Meine Kinder brauchten mich! Sie waren erst dreieinhalb, zwei und ein halbes Jahr alt! So rang ich mit dieser Krankheit, flehte unablässig zu Gott um Hilfe und glaubte fest daran. Um meiner Familie willen wollte ich nicht aufgeben.

In diesen schlimmsten Stunden erinnerte ich mich immer wieder an die biblische Geschichte von Jakob, der in größter Not die ganze Nacht mit einem Engel um göttliche Hilfe gerungen hat. Das bestärkte mich in meinem Glauben und ich ließ nicht locker, in diesen Nachtstunden zu kämpfen und zu flehen. Hoffnung beflügelte mich und ich fühlte mich bei meinem Heiland sicher. Nein, ich wollte nicht ablassen, um das Überleben zu kämpfen.

Einmal fielen mir in solch einer Nacht Worte aus meiner Kindheit ein. Es waren Verse aus einem alten Kinderlied. Ganz deutlich konnte ich mich an sie erinnern:

Jesus liebt mich, wenn kein Mann
meine Krankheit heilen kann.
Wachend sieht sein Aug auf mich,
winkt mir zu: „Ich liebe dich!“
Jesus liebt mich ganz gewiss,
denn die Bibel sagt mir dies.

Das war überwältigend! Jesus liebt mich! Welch eine Ermutigung! Er sieht mich hier leiden und ums reine Überleben kämpfen. Und er ist tatsächlich da; verständnisvoll lächelnd schaut er mich an und ich fühlte mich von ihm umarmt. Langsam kam mein Körper zur Ruhe, ich konnte wieder atmen und schlief bald darauf ein.

Dieses Bild nahm ich wohl mit hinüber ins Land der Träume. Ich konnte ihn sehen – meinen Heiland. Seine Gesichtszüge waren geprägt von lauter Güte und Liebe. Sein warmes verständnisvolles Lächeln machte mich still und zufrieden. Bei ihm fühlte ich mich geborgen. Und tatsächlich, er winkte mir zu, während ich sterbenskrank im Bett lag, als wolle er mir sagen: „Ich liebe dich! Ich lasse dich nicht allein! Vertraue mir, es wird alles gut werden!“

Das war ein wunderschöner Traum! Er stärkte mich innerlich sehr. Doch als ich am nächsten Morgen aufwachte, stand ich der Realität wieder gegenüber: Fast die gesamte Haut meines Körpers war furchtbar heiß und entzündet, auch an den empfindlichsten Stellen. Ständig platzte sie auf und eine schwarz-gelbe stinkende Flüssigkeit quoll hervor. Da man unter solchen Umständen kaum schlafen kann, machte mir der chronische Schlafmangel zu schaffen, denn etwa drei Stunden pro Nacht waren absolut zu wenig, erst recht über Monate. Ich war am Ende aller Kräfte, mein Wahrnehmungsvermögen eingeschränkt und ich fror meistens, obwohl meine Haut feuerheiß war. Später hatte ich noch ständig Nasenbluten, welches nicht aufhören wollte, aber nicht nur die Nase, auch alle anderen Körperöffnungen bluteten.

Eigentlich gehörte ich ins Krankenhaus, doch die Ärzte konnten mir nicht helfen. Sie sahen nur meine schreckliche Haut – mehr nicht. Und da ich mich weigerte, kräftig Fleisch zu essen und eine dreijährige Kortisonkur zu machen, bevor man nach den Ursachen fragen kann, gab man mich immer wieder auf. So war ich wenigstens zu Hause bei meinen Kindern und konnte, so gut es mir noch gelang, sie erziehen und den Haushalt versorgen. Wie ich all das bewältigen sollte, wusste ich nicht. Ich wusste nur, dass mein Heiland bei mir war und mir für jede neue Aufgabe Kraft schenken würde. So tat ich, was mir vor die Füße fiel – ständig müde, abgespannt und voller Schmerzen. Gott sei Dank, er hielt seine schützenden Hände über mich mit den Kindern, während mein Mann auf Arbeit war.

Wie oft flehte ich meinen Gott um Heilung an! Wenn ich nur gewusst hätte, warum ich so krank bin, aber keiner konnte sich so etwas erklären. Unsere Eltern und lieben Freunde hatten Angst um mich, trösteten mich auf ihre Art und überschütteten mich in ihrer Hilflosigkeit mit gut gemeinten Ratschlägen, die mir oft im Herzen wehtaten. Meistens schob man es auf unsere rein pflanzliche Ernährung. Doch immer wieder war es Gott, bei dem ich Trost und Stärkung fand. Der Glaube vermag Unglaubliches!

Als ich eines Abend wieder meine kranke Haut behandelte, kam mir plötzlich in den Sinn, ich habe eine Schwermetallvergiftung! – Unmöglich, ich ernährte mich gesund und habe mit Schwermetallen nie Kontakt gehabt. Diesen Gedanken schob ich sofort beiseite. Doch bald war er wieder da, dieser Eindruck von der Schwermetallvergiftung. „Gott, willst du mir etwas sagen?“ fragte ich. – „Ja, nun ist die Zeit gekommen, dir mitzuteilen, dass du an einer Schwermetallvergiftung leidest.“ – „Was, an einer Schwermetallvergiftung? Aber wie konnte das geschehen? Ich…“ – „Ist Eisen denn kein Schwermetall?“ Nun, darauf wusste ich keine Antwort, meine Chemiekenntnisse sind nicht die besten. Eisen – sollten etwa die Eisentabletten…? „Ist Eisen denn kein Schwermetall?“ – diese Frage bewegte mich. Im Tafelwerk nachgeschaut, und siehe da, es war so! Selbst mein Mann bestätigte mir diese Tatsache.

Schon eine Woche später wurde die Eisenvergiftung tatsächlich erkannt. Obwohl ich mich immer gegen diese Tabletten gesträubt habe und pflanzliche Alternativen probierte, musste ich auf ärztliche Anweisung hin in den drei schnell aufeinander folgenden Schwangerschaften Eisentabletten nehmen. Die Dosis erhöhte man ständig. In der letzten Schwangerschaft nahm ich täglich die vierfache Menge der vorgeschriebenen Dosis – gemäß ärztlicher Anweisung – und trotzdem erhöhte sich mein Eisenwert kaum. Und dabei litt ich schon an der Vergiftung!

Fragen kamen auf: Warum hatte mir Gott keine bessere Alternative zu den Eisentabletten gezeigt. Ich hatte ihn doch immer wieder ernstlich darum gebeten, da ich wusste, dass sie mir nicht bekommen! Und warum hat die Ärztin nicht besser mit mir kooperiert? Warum suchte sie nicht nach einer effektiveren Lösung? Wusste sie etwa nicht, dass man die Höchstdosis nicht einfach so vervierfachen kann? Und warum hat Gott diese Vergiftung zugelassen? Und warum hat er mir nicht eher gesagt, was die Ursache meines Leidens ist? Und warum…?

Ihr kennt das sicherlich auch, wie schnell einem solche Gedanken kommen, doch mein Heiland erinnerte mich, dass diese Gedanken und erst recht die daraus entstehenden Gefühle nicht hilfreich in dieser Situation sind. Er bot mir an, mich von diesen Gedanken zu befreien, damit ich innere Ruhe finden kann. Dankbar nahm ich dieses Angebot an, denn mir fiel auf, dass ich durch diese aufkommenden Fragen tatsächlich unwillkürlich meinen Herzensfrieden verloren hatte.

Nachdem ich diese aufbegehrenden Gedanken und Gefühle einfach meinem Heiland überlassen hatte, konnte ich auf einmal dankbar sein. Nun wussten wir endlich die Ursache meines Leidens und uns konnte geholfen werden. Überraschenderweise stellten wir im Nachhinein fest, dass uns weder eher noch später in solch gut aufeinander abgestimmter Weise geholfen werden konnte, wie es nun geschah. Liebe Freunde, ein Heilpraktiker und ein Biochemiker kümmerten sich rührend um uns und ich kam langsam zu Kräften.

Dankbar vertraute ich diesen lieben Menschen und verlor dabei unmerklich Gott, meinen eigentlichen Retter aus den Augen. Nicht dass ich nicht mehr an ihn glaubte, aber ich fragte ihn nicht mehr wirklich in allen Dingen um Rat. Ich vertraute einfach den Medizinern und tat, was sie mir sagten. Ich war mir dessen überhaupt nicht bewusst, bis mir diese Vergiftung auch noch in den Kopf stieg, da sie nicht mehr anders entkommen konnte.

Geburtstag. Kinder aus der Nachbarschaft kamen mich besuchen und sangen mir ein Lied. Immer wieder hörte ich die Worte: „Vertrau, es wird alles gut!“ Als sie gingen, war ich dem Weinen nahe. Noch immer hallten ihre Worte in meinem Herzen nach: „Vertrau, es wird alles gut!“ Was wussten sie schon, was vertrauen bedeutet! Sie waren jung, naiv und gesund – ich dagegen hatte nun auch noch innerhalb weniger Tage meine Haare verloren und musste wie die arabischen Frauen in Tüchern gehüllt rumlaufen – und das mit 28 Jahren! Immer noch lagen mir die verzweifelten Rufe meines Ältesten im Ohr: „Mama, Mama, deine Haare fallen alle ab! Das ist ja ekelig!“ Das traf mich tief ins Herz. Und nun singt man „Vertrau, es wird alles gut!“

Vertrauen! Ich musste mich dafür entscheiden, es kam nicht von allein. Erneut richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meinen Heiland und erwartete von ihm allein Hilfe. Er wollte mir durch Menschen helfen, aber ich sollte nicht vergessen, dass er hinter allem stand. Nun lernte ich, die Anweisungen dieser lieben Menschen anzuhören und dann meinen Gott um Rat zu fragen. Er konnte mir noch genauer sagen, wie die Dosierung von bestimmten Mitteln sein sollte und welche Heilmethoden nicht für meinen Fall geeignet waren. Das ergab eine absolut gute Kooperation zwischen allen Beteiligten und ich konnte genesen.

Ich wurde wieder gesund! Ich konnte es nach solch langer Krankheit kaum fassen! Ich fühlte mich wieder kräftiger und schon fünf Monate später konnte ich mein Kopftuch absetzen. Es dauerte zwar noch ein weiteres Jahr, bis meine Haut abheilte, doch heute sieht man keinerlei Wunden oder Spuren dieser Krankheit mehr. Mein Wahrnehmungsvermögen ist wieder voll ausgeprägt und ich fühle mich einfach gesund. Doch Vorsicht, mein heutiges Arbeitspensum muss ich immer mit Jesus abstimmen, denn bei Überarbeitung bin ich bald erschöpft. Und diese Erschöpfung stellt sich immer sehr überraschend und plötzlich ein. Dann werde ich an alte Zeiten erinnert und somit zur Ruhe gezwungen. Soll das eine liebe Erziehungsmaßnahme sein, die mir immer wieder die Notwendigkeit der ständigen Kommunikation mit Christus verdeutlicht?

Vertrauen ist so manches Mal eine große Herausforderung. Doch gerade dann, wenn uns die Schwierigkeiten erdrücken wollen und uns so unheimlich nahe gehen, winkt Er uns zu: „Ich liebe dich!“ Jesus ist so lieb zu uns! Selbst wenn wir ihn nicht wahrnehmen, verlässt er uns nicht. Und wenn du gar meinst, deine Hilferufe und Gebete würden nur bis zur Zimmerdecke gehen, dann darfst du wissen, dass Jesus ganz nah bei dir ist – nicht weiter als deine Zimmerdecke. Lädt Er uns nicht liebevoll ein, ihm zu vertrauen?

Und das nicht ohne Grund. Er allein kann unsere Lage richtig einordnen und das Beste daraus machen. Ja, er hat wirklich nur das Beste mit uns im Sinn und möchte uns nach seinem Plan führen. Doch das macht er nicht einfach so. Unser Gott ist höflich. Er braucht unsere Zustimmung. Ohne sie würde er niemals über uns entscheiden.

„Ich liebe dich!“ winkt er uns zu. Niemals missbraucht er unser Vertrauen, sondern schenkt uns Hoffnung und Zuversicht. Und er lässt uns immer wieder erleben, wie er Vertrauen belohnt.