Sechstes KapitelIch bin es, der euch tröstet!Vertrauen schenkt Zuversicht und bewährt sich in Krisen
Nachdem wir über ein Jahr hier gewohnt haben, erreichte sie uns endlich – die Stromrechnung! Sehr lange haben wir uns darum bemüht, doch die Datenverarbeitung hatte mit unserer Adresse so ihre Probleme. Nun war die Rechnung also endlich da! Ein wenig aufgeregt öffneten wir den Brief. Was würde uns erwarten? Erschrocken über die Summe, die wir auch noch sofort zahlen sollten, knieten wir uns nieder und beteten: „Herr, du weißt alle Dinge. Du weißt, wie wir versucht haben, für diese Rechnung zu sparen. Doch du hast es zugelassen, dass alle finanziellen Polster aufgebraucht wurden. Wir haben unser Bestes gegeben und dürfen nun deine Hilfe erwarten. Diese Rechnung übersteigt weit unsere Mittel, wir brauchen deine Hilfe! Zeige du uns, was wir tun sollen und schenke uns Geduld beim Warten. Wir danken dir für deine Liebe! Amen.“ Im Vertrauen war dieses Problem viel leichter zu ertragen, als gedacht. Doch unser Gott schwieg. Er gab uns weder Anweisungen, was wir tun sollten, noch schenkte er uns die Mittel dafür. So taten wir das nahe Liegendste: wir arbeiteten an den Sachen, die er uns aufgetragen hatte. Wir setzten uns voll und ganz für das Werk des Herrn ein. Als freie Missionare arbeiten wir in erster Linie an einem Bibelstudienmaterial. Ab und zu drucken wir auch Broschüren, wie diese hier. Zwei weitere Bücher sind schon geplant, dafür machen wir erst einmal nur eine Materialsammlung. Und nebenbei schreiben wir viele E-Mails und Briefe, telefonieren mit Menschen, die Rat und Hilfe bei uns suchen und haben immer offene Türen für sie. Was diese Arbeit betrifft, gibt es jede Menge zu tun. Und das ist auch gut so; wir sind so glücklich, in diesem Werk arbeiten zu dürfen. Doch warum schweigt jetzt unser Gott? Möchte er unser Vertrauen schulen? Nun, wir beteten weiter. Erst zwei Tage vor Ablauf der Frist gab er uns die Idee, unser ganzes Haus mal nach Geld zu durchsuchen. Wir schauten in die Portemonnaies und fanden nichts als etwas Kleingeld. Wir zählten es ab und schrieben den Betrag auf. Dann suchten wir die Sparbüchsen der Kinder. Ach, die waren noch auf dem Boden in Kisten verpackt. Sie bekommen ja so selten etwas, da ist uns das noch gar nicht aufgefallen. Tatsache, die Sparbüchsen der Kinder enthielten eine Menge Geld! Als sie geboren wurden, hatte Sebastians damalige Firma in dieser Weise ihre Anteilnahme gezeigt. Wir zählten auch dieses Geld und waren erstaunt, dass es mit dem Kontostand und dem Kleingeld genau die benötigte Summe ergab. Das war ja herrlich, doch durften wir einfach so über das Geld der Kinder verfügen? Wir besprachen das mit unserem Heiland. Dann setzten wir uns als Familie zusammen und berieten mit den Kindern. Es war beeindruckend zu sehen, wie gebefreudig sie waren. Sie kannten die Folgen des Stromausfalls schon zur Genüge und waren bereit, ihr Letztes zu geben, wie die Witwe zu Zarpat dem Elia. So öffneten wir noch einmal alle Sparbüchsen, zählten die Beträge und notierten alles, um es ihnen später einmal zurückzahlen zu können. Am nächsten Morgen fuhren wir dann alle zur Bank, um gemeinsam das Geld einzuzahlen und die Rechnung zu begleichen. Nun hatten wir nichts mehr, nicht einen Cent. Aber wir mussten deswegen keine Not leiden! Im Garten hatten wir genügend zu essen und für all die anderen Bedürfnisse war auch gesorgt. So konnten wir auch jetzt in Gottes Hand ruhen. So ist unser Gott! Er lässt es zu, dass Schwierigkeiten an die herankommen, die sich für seinen Dienst entschieden haben, aber er lässt sie niemals allein. Das wussten wir nur zu genau! Darum konnten wir ihm auch die Rechnungen anvertrauen, die uns in den nächsten Tagen bevorstanden. Das war zum Beispiel die Telefonrechnung. Wir brauchten bald 27,-€. Genau an dem Tag, als wir zahlen mussten, erreichte uns ein Betrag von 30,-€ als Dankeschön für eine Hochzeitsvorbereitung. Rechnet Gott nicht wunderbar? 27,-€ Telefonrechnung und 3,-€ Zehnten! Wir waren überwältigt! Es wurde Sabbat. Da unser Sprit nicht bis zu unserer Kirchgemeinde reichte, blieben wir zu Hause und machten einen Dankgottesdienst. Wir erinnerten uns all der Segnungen in der letzten Zeit und vertrauten unserem Heiland auch den Wunsch an, dieses Haus doch vollständig bezahlen zu können. Nach unseren Gebeten rannten die Kinder sofort ans Fenster und schauten raus. Was wollten sie nur dort? Als wir sie fragten, antworteten sie uns, dass sie auf das Geld warten, dass jetzt vom Himmel gefallen kommt. Wir Eltern mussten schmunzeln; welch einen Glauben haben doch unsere Drei! Natürlich kam nichts vom Himmel gefallen. Einen Tag später telefonierte ich mit einer Freundin und erzählte ihr von unserem Dankgottesdienst und den Erwartungen der Kinder. Daraufhin sagte sie mir, dass bei ihnen etwas „vom Himmel gefallen“ sei. Ich war überrascht, hatte sich bei ihnen endlich eine Lösung mit dem Schulproblem ergeben? Gespannt wartete ich, dass sie mir alles erzählte. Doch was hörte ich da? Ich traute meinen Ohren kaum. Während wir hier zusammen saßen und unseren Dankgottesdienst feierten, sammelten dort in weiter Entfernung diese lieben Menschen während des Gottesdienstes für uns, obwohl nicht einmal alle uns kannten. Wir waren überwältigt von dem Betrag, zumal wir wussten, dass die meisten Familien sehr arm waren. Wie groß ist doch unser Gott! Nach dem heißen Sommer wurde es plötzlich empfindlich kalt. Oder war man diese Temperaturen nach drei Monaten Dauerhitze nicht mehr gewohnt? Ich sehnte mich nach etwas Wärme. Sollte ich im August unsere Kachelöfen schon heizen? Warum eigentlich nicht. Da gab es nur ein Problem: wir hatten kein Holz mehr! Der erste Winter nach dem Umzug war grimmig kalt und äußerst lang. All das Holz, das wir im Herbst noch mühevoll aus dem Wald geholt hatten, war aufgebraucht. Und so ganz ohne Auto und Kettensäge wollten wir uns die Mühe nicht noch einmal machen. So warteten wir auf bessere Zeiten. Als wir dann im Juni endlich ein Auto hatten, dachten wir sofort an unser Holz. Aber es gab Schwierigkeiten mit dem Forst. Woche um Woche wurde unsere Holzsammelaktion hinausgeschoben. Auch alle weiteren Versuche, irgendwo an Holz zu kommen, scheiterten. So kam es, dass der Sommer fast vergangen war, ohne dass wir uns auch den geringsten Holzvorrat anlegen konnten. Es war herbstlich kalt. Ich kehrte den Hof. Das trockene Kastanienlaub machte mir zu schaffen. Dabei drehten sich meine Gedanken immer wieder um das Holz. In mir arbeitete es mächtig. Einfach nervtötend! Erst als ich dem Druck der Gefühle kaum mehr standhalten konnte, erinnerte ich mich, dass ich ja einen Retter habe, der mich davon befreien kann. Außerdem kann er auch das ganze Problem lösen. So fing ich an, mit ihm zu sprechen und klagte ihm unser Leid. „Dani, was jammerst du? Der Winter ist noch weit! Noch haben wir Sommer.“ „Aber“, protestierte ich, „es ist schon kalt. Die Kastanie verliert ihr ganzes Laub und überhaupt, es scheint recht herbstlich zu sein.“ „Jetzt ist gerade erst August.“ „Aber der allerletzte Tag im August! Danach ist September. Und wie du weißt, beginnt dann die Hirschbrunft. Da können wir zwei Monate lang nicht mehr in den Wald Holz sammeln gehen. Meinst du, wir sollen erst im November bei dem ewigen Regenwetter Holz schlagen? Das nasse Zeug brennt nicht, zumal man es sowieso lange lagern muss. Und außerdem, ich hätte gern schon vor November geheizt!“ Es ist beschämend, wie man in solchen Situationen mit Gott redet, der uns nur Gutes tut. Er hat ein Herz voller Liebe, er möchte uns helfen und wir lassen uns von unseren Sorgen so gefangen nehmen, dass wir gar nicht mehr vernünftig mit ihm sprechen können. Genau diese Gedanken kamen mir in den Sinn, als ich das ausgesprochen hatte. Natürlich darf ich meinem Heiland alles erzählen, auch meinen Kummer und meine Not. Ich darf vor ihm sein wie ich bin. Doch es wäre viel besser, wenn es meine Gewohnheit wäre, mich immer gleich mit meinen Problemen vertrauensvoll an ihn zu wenden, wenn ich keine Lösung finde. Ich muss nicht verbissen alles selbst in die Hand nehmen, bis ich vor lauter Frust und Verzweiflung nicht mal mehr ordentlich mit meinem Heiland sprechen kann. Während mir all das durch den Sinn ging, wurde ich ruhig. Ich fühlte mich sanft getadelt, doch dennoch geliebt. Was hatte er gesagt? ,Jetzt ist gerade erst August.’ Diese Worte klangen mir noch ein Weilchen nach. Ja, es klang so, als ob es noch genug Gelegenheiten geben werde, Holz zu sammeln. Das beeindruckte mich. Ich fasste neues Vertrauen. Gleichzeitig bat ich für mein mangelndes Vertrauen und dessen Folgen um Vergebung. Nun konnte ich völlig entspannt weiterharken. Es dauerte wirklich nur wenige Augenblicke, da kam ein Auto zu uns hinter gefahren. Kaum zu glauben – es war der Förster! Kam er endlich, um die Formalitäten zu erledigen und uns ein Gebiet zuzuweisen, wo wir Holz sammeln konnten? Ja, er kam tatsächlich wegen dem Holz. Da mein Mann gerade außer Haus war, sprach er nur kurz mit mir. Doch das waren keine guten Nachrichten: das Holzkontingent von diesem Forstjahr war schon im Frühjahr ausgeschöpft. Es bestand also keinerlei Möglichkeit, sich noch Holz zu beschaffen. Zudem bräuchten wir künftig einen Kettensägeschein und Arbeitsschutzkleidung, wenn wir uns Holz schneiden wollten, auch wenn es schon liegendes Totholz war. Nachdem er sich noch ein wenig über unseren verspäteten Holzsammeleifer lustig gemacht hatte, fuhr er wieder. Er wollte bald noch einmal vorbeischauen und mit Sebastian reden. Wer weiß, wann dieses „Bald“ sein würde! Hat er uns nicht seit Anfang Juni vertröstet und immer wieder Termine aufgeschoben? Mir war zum Verzweifeln zumute! Doch Dankbarerweise hörte ich hier auf das Werben meines Heilandes und vertraute ihm diese Situation an. Erstaunlicherweise war ich sofort von all den belastenden Gefühlen befreit, ich hatte ja nun nicht mehr die Verantwortung für das Holzproblem. Ich brauchte nur noch mit Gott zu kooperieren. In diesem Fall schickte er mich ans Telefon, um die Stadtverwaltung anzurufen. Das tat ich auch. Es war nicht das erste Mal, dass ich mit diesem Anliegen dort auf dem Bauamt anrief. Bisher ohne Erfolg. Doch heute verlief das Gespräch ganz anders. Nachdem ich noch einmal unsere Not geschildert hatte, erinnerte sich Herr L. an unsere Broschüre „Geschichten aus dem Waldhaus“, die wir ihm vor einiger Zeit zugeschickt hatten. Davon beeindruckt, wollte er uns gern helfen. Schon am nächsten Tag konnte Sebastian bei ihm eine volle Ladung eingelagerter Straßenbäume abholen – alles kostenlos! Außerdem führte er meinen Mann durch die Felder rings um Annaburg und zeigte ihm, wo er sich überall Totholz schlagen kann. Bis Jahresende könne sich Sebastian an Holz holen, soviel er möchte. Er dürfe auch ohne Sägeschein Bäume fällen, natürlich auf eigene Verantwortung, und es kostete uns außer dem Spritgeld nichts. War das nicht ein göttliches Geschenk? Aber das war noch nicht alles. Herr L. zeigte meinem Mann saftige Holunderbüsche, die nur darauf warteten, abgeerntet zu werden, zudem noch einige Bäume mit Mirabellen und Hagebuttensträucher. So kam es, dass wir nun oft als Familie in die Felder fuhren. Während Sebastian sägte, konnte ich mit den Kindern Obst und Beeren ernten. Wie gern erinnere ich mich an diese Zeit! Erinnern wir uns noch an den Förster? Er kam tatsächlich wenige Tage später wieder vorbei. Und diesmal brachte er gute Nachrichten mit. Das Holzkontingent sei zwar ausgeschöpft, aber man könnte ja schon mal sammeln und es aufs nächste Forstjahr rechnen. Und da die Hirschbrunft schon begann, durften wir wenigstens entlang des Hauptweges Holz lesen. Auch dieses Angebot nahmen wir dankbar an, auch wenn Sebastian mit einer Axt statt Säge losziehen musste. Das sollen nur einige Beispiele sein, wie uns unser liebender Vater im Himmel versorgt. Er kennt immer unsere Bedürfnisse und kümmert sich um sie. Einmal gingen die Vorräte an Getreide und anderen wichtigen Rohstoffen zu Ende. Ich machte mir eine Liste mit den nötigsten Dingen und wollte sie bestellen. Als ich zum Telefon ging, sprach der Herr ganz klar zu meinen Gedanken, dass es noch ein wenig Zeit mit der Bestellung habe. So wartete ich. Doch da mich mein Mann auf die zu Ende gehenden Waren aufmerksam machte, ging ich erneut ans Telefon. Und wieder schickte mich mein Heiland fort. Das ging an diesem Tag viermal so! Am Abend rief dann eine junge Frau an, dass sie uns soeben ein Paket mit Lebensmitteln zusammengepackt habe. Vorsichtig fragte ich meine Einkaufsliste ab und sie versicherte mir, dass sie alles dabei habe. Nun wusste ich, warum ich nicht bestellen brauchte. Als wir das Paket dann öffneten, kamen mir die Tränen. Es war weit mehr darin, als wir uns je geleistet hätten. Mit so viel Güte Gottes haben wir einfach nicht gerechnet. Gott ist einfach unvorstellbar gut zu uns Menschen! Ja, es war großartig, wie Gott für uns sorgte. Doch so manches Mal stellten wir uns anfangs die Frage, ob wir uns wirklich einfach nur beschenken lassen sollten. Das war doch gegen alle Vernunft. Wir waren es gewohnt, hart zu arbeiten und alles selber zu verdienen. Nun wollte Gott, dass wir in seinem Werk fleißig arbeiten und alle Kraft und Zeit darin investieren, um anderen zum Segen zu werden und schenken zu können. Selbst unsere Schriften sollten wir verschenken. Das war ein enormer Umdenkprozess. Doch jedes Mal, wenn wir diesbezüglich ein schlechtes Gewissen bekamen, tröstete uns der Herr. Nachdem wir ihm unser Herz ausschütteten, ließ er uns Bibeltexte finden, die uns ganz besonders ansprachen und alle Gegenargumente entkräfteten. Das war ein enormer Trost für uns! Und als Ausgleich für unsere geistige Tätigkeit schenkte uns der Herr die Gartenarbeit und die Mühen mit dem Feuerholz. Hier konnten wir ganz praktisch zu unserem Lebensunterhalt beitragen. Das musste nicht einmal versteuert werden, doch auch hier waren wir von der Güte unseres Gottes abhängig. Wir waren überwältigt, zu erleben, wie überaus gut sich der Herr um uns kümmerte. Und trotzdem: es kam, wie es kommen musste – wir konnten nach einiger Zeit unsere Mietkaufraten nicht mehr zahlen. Das traf uns hart. Alles, was verkauft werden konnte, war verkauft. Lieber hätten wir nun auf alles Mögliche verzichtet und eisern gespart, nur um die Raten bezahlen zu können, aber Gott beschenkte uns reichlich mit Sachspenden – nur für die Raten reichte es bei Weitem nicht. Was sollte Herr K. jetzt von uns denken? Nein, es ging uns gar nicht um uns, es ging ja um Gottes Ehre. Herr K. wusste, dass wir nur aus dem Glauben heraus gekauft haben und unserem Heiland auch in dieser Hinsicht vertrauten. Er selber ist ein guter Mensch und nennt sich stolz Christ, kann aber nicht glauben, dass der große allmächtige Gott des ganzen Universums an jedem Menschen persönlich interessiert ist, all seine Bedürfnisse kennt und ihn in allen Entscheidungen, sogar im Alltag führen möchte. So kennt er den lebendigen Glauben leider nicht, der aus einer persönlichen Freundschaft mit Jesus erwächst, ja er empfindet ihn lästerlich, sentimental und verblendet. Tradition bedeutet ihm alles. Alles, was man mit seinem menschlichen Verstand nicht begreifen kann, ist unpraktikabel, und wenn es in den 10 Geboten stünde. Wenn man nur Gottesfurcht besäße, würde Gott damit schon keine Probleme haben. Und Gottesfurcht besaß er, wenn auch auf seine Weise. Die Lage war angespannt. Die Zeit verging, wir zahlten nicht mehr und in wenigen Wochen, zum Jahreswechsel 2006/07, müssten wir das Haus verlassen – ohne auch nur einen Cent von dem bisher Gezahlten wiederzubekommen. Dann könnte Herr K. sein Haus wieder in Besitz nehmen. Wir müssten unter Schimpf und Spott gehen und Gott würde verunehrt werden. Nun, wir konnten überhaupt nicht glauben, dass das Gottes Wille für uns sei. Er hatte erst so viel Mühe gehabt, uns zu diesem Hauskauf zu bewegen und nun sollten wir nach nur einem reichlichen Jahr wieder fort, noch dazu unter diesen Umständen? Nein, das konnte nicht sein! Gut, wir wussten, dass wir Gottes Wege mit unserem menschlichen Verstand nicht begreifen können, aber eines stand fest: Hier stand nicht unbedingt unser Waldhaus auf dem Spiel, Gott hätte bestimmt ein neues Heim für uns – es ging hier um Gottes Ehre! Nun mussten wir in dieser Situation vertrauen und Geduld lernen. Gewöhnlich waren wir zuversichtlich und fröhlich. Der befürchtete Nervenzusammenbruch blieb aus. Das war nicht unsere Leistung, es war ein Geschenk! Und dennoch waren wir uns des Ernstes der Lage bewusst und wussten nur zu genau um die Folgen. Manchmal kam es vor, dass unsere Zuversicht zu schwanken begann. Sobald wir eine innere Unruhe bemerkten, erzählten wir unserem Heiland von unseren Gefühlen, Empfindungen und Gedanken. Daraufhin erinnerte er uns an biblische Begebenheiten und seine göttliche Führung oder an Bibelworte, die wir bereits auswendig gelernt haben. Wie liebten wir die Worte:
Ich will dich nicht vergessen! Jesaja 49, 15b.16 Unsere Mauern, ja unser Waldhaus steht jeden Tag bei Gott auf der Tagesordnung. Er kennt die Angelegenheit und vergisst uns nicht. Welch ein Zuspruch! Unser Augenmerk wurde immer wieder auf die Größe und Erhabenheit unseres allmächtigen Gottes gelenkt. Er erinnerte uns daran, dass er heute noch derselbe Gott wie damals ist. Wir lasen zum Beispiel:
Gedenkt an das Frühere von der Urzeit her, Jesaja,46,9 Ja, es stimmt, wir haben einen unvergleichlichen Gott. Und wenn wir all die mächtigen Führungen in der biblischen Geschichte bedachten, gab uns das Mut, diesem Gott auch in unserer Situation ganz fest zu vertrauen. Ganz besonders klammerten wir uns immer wieder an folgenden Text:
„Ich selbst will vor dir herziehen
Jesaja 45, 2.3 Mit diesen Worten ermutigte uns der Herr schon voriges Jahr zum Hauskauf, als wir vor einem großen Berg von Problemen standen, wobei die Finanzierung das Allergrößte von ihnen war. Dieses Versprechen galt uns heute also genauso wie damals, vielleicht noch mehr! So wuchs unser Glaube, dass Gott alles in seinen Händen hält und uns zu seiner Zeit helfen wird – und sei es erst einen Tag vor unserem Auszug. Wir packten keine Sachen noch kümmerten wir uns um irgendeine Möglichkeit, wo wir mit unseren Kindern unterkommen könnten. Sollte Gottes Ehre nur wegen unseres Hauskaufs Schaden nehmen? Das konnte einfach nicht sein. Das entsprach auch nicht den vielen Versprechen, die wir immer wieder in der Bibel lesen konnten. Das machte überhaupt keinen Sinn. Und trotzdem griff Gott nicht gleich nach unserem Wunsch praktisch ein. Er stellte uns einfach keine Mittel zur Verfügung, noch sagte er, was wir tun sollten. Was sollte Herr K. nun von unserem großen Gott denken? Wir fürchteten uns vor seinem Spott. Einmal erhielten wir von ihm einen langen Brief. Überschrieben war er mit: Mahnung. Er enthielt aber nichts als vier volle Seiten Spott und Lästerung! Es tat uns einfach weh, wenn wir lesen mussten, wie er Jesus damit beleidigte. Mir wurde richtig übel dabei. So beteten wir um Hilfe, und der Herr tröstete uns. In diesem Fall setzte ich mich an meine Schreibarbeit. Während der Ausarbeitung suchte ich einen bestimmten Bibeltext. Da ich noch wusste, wo er so ungefähr zu finden war, blätterte ich durch meine Bibel. Mir war immer noch ganz flau im Magen. Da blieb mein Blick an folgendem Vers hängen:
Hört auf mich, die ihr Gerechtigkeit kennt,
Jesaja 51, 7.12a Ich hielt einen Moment inne. Ist das wahr, wollte Gott mich trösten? Auf jeden Fall fühlte ich mich angesprochen. Suchend blätterte ich weiter. Was war das? Da stand ja schon wieder etwas!
Wenn der Bedränger kommt wie ein Wasserstrom,
Jesaja 59, 19b Es war trotz der gefährlichen Situation einfach großartig, wie Gott uns mit seiner Liebe umgab. Er ließ uns nicht einfach mit unserem Problem allein und verlangte Vertrauen, sondern er gab uns täglich zu verstehen, dass er da ist und alles managen würde. Manche Zusagen machte er schon morgens, bevor das Problem auftrat, damit wir uns dann am Tage an diese Verheißungen erinnern konnten. So konnten wir fröhlich sein, selbst noch die letzten Tage vor Ablauf der Frist. Das war einfach unglaublich! Welch ein Geschenk ist doch der Glaube! Eines Tages überraschte uns der Herr. Es war an einem nasskalten Tag im Dezember. Da wir noch keine Auflagen für unsere Klärgrube und Abwassersystem hatten, düngten wir damit unseren Garten. Sebastian war gerade damit fertig geworden, die Klärgrube auszupumpen, als uns unverhofft die Stadtverwaltung besuchte. Ein Mann und zwei Frauen begrüßten uns freundlich und wollten tatsächlich ausgerechnet heute unser Abwassersystem überprüfen und die Klärgrube sehen. Nun, da kamen sie gerade richtig, unsere Grube war leer und der Garten erst einmal gedüngt. Das missfiel ihnen natürlich ein wenig und die zwei Frauen sprachen gleich höflich auf Sebastian ein, um diese Angelegenheit zu klären. Herr L. stand ein wenig abseits und schaute sich unseren Garten an. Als ich zu ihm ging, fragte er mich, ob wir denn keine Probleme mit den Wildschweinen hätten. Natürlich drangen sie in unseren Garten ein und bedienten sich; auch Fuchs, Reh und Hase fanden hier einen reich gedeckten Tisch. Herr L. riet uns, doch einen ordentlichen Zaun ums Grundstück zu ziehen. Das hätten wir liebend gern schon gemacht, wenn wir die nötigen Mittel dazu hätten. Zäune sind eben nicht gerade billig, auch wenn es nur Maschendraht ist. Als ich ihm das erzählte, flüsterte er mir zu, dass er nur noch wenige Tage im Amt sei. Mein Mann solle doch unverzüglich bei ihm im Amt vorbeischauen. Er werde ihm dann unser Auto, einen kleinen Lkw, volladen. Etwas überrascht fragte ich nach den Kosten. Nichts – so kam leise die Antwort. So geschah es, dass wir kurz bevor wir unser Haus verlassen müssten, einen Wildgehegezaun für unser Grundstück von der Stadtverwaltung bekamen – völlig geschenkt! Wenn Gott uns in dieser Situation mit einem Zaun beschenkt, wird er uns dann mit ihm nicht das Haus auch geben? Dessen waren wir uns gewiss. Nun warteten wir gespannt weiter, der Countdown lief … Jahreswechsel, Zahltermin. Bei Überschreitung dieses Termins wäre der Kaufvertrag für unser Waldhaus hinfällig. Doch genau zum Zahltermin erreichte uns eine Nachzahlung von der Wohngeldstelle. Nachdem sie uns dreimal geschrieben hatten, dass wir weit unter der Mindesteinkommensgrenze liegen und somit nicht gefördert werden können, haben wir niemals mit dieser Nachzahlung gerechnet. Tatsächlich ist es auch die einzigste Zahlung geblieben. So konnten wir wenigstens eine Mietkaufrate bezahlen. Wir freuten uns über diese Lösung, waren aber zugleich ein wenig wehmütig, da sich die Frist demzufolge nur um einen Monat verschob. Wie hätten wir uns gewünscht, dass dieses Problem mal ausgestanden wäre, oder wir zumindest wüssten, wie wir das monatlich finanzieren konnten! Doch offensichtlich hatte unser Gott andere Wege. Bis heute schult er uns monatlich in dieser Hinsicht im Vertrauen. Wir haben einen überaus liebevollen Gott! Es stimmt, er führt uns auch durch Schwierigkeiten. Aber sie brechen nicht unwillkürlich über uns herein, sondern sind bewusst ausgewählte Gelegenheiten, die unser Vertrauen reifen und stärken lassen sollen. Fürsorglich und mit einem Herzen voller Liebe schaut er zu, greift lenkend ein und tröstet uns in einzigartiger Weise. Er kann wirklich gut mit uns mitempfinden. Das zu erfahren, war sehr eindrucksvoll und ist es immer wieder. „Ich, ja ich bin es, der euch tröstet“ – hörst du, wie er es dir zuflüstert? Er liebt dich herzlich und verlässt dich nicht. Und wenn du innehältst und an ihn denkst, wirst du bald merken, wie liebevoll er dich tröstet. Darum gib dein Vertrauen nicht auf, es wird schon bald reich belohnt werden.
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