Das Geheimnis meines WillensNun möchte ich mit euch über ein Geschenk Gottes nachdenken, welches tief verwurzelt in uns allen steckt. Und obwohl es ein geniales Geschenk unseres Schöpfers ist, ist es doch oft missverstanden worden. Schließlich ist es selbst unter uns bekennenden Christen in Vergessenheit geraten. Doch es wird Zeit, es abzustauben und zu gebrauchen. Dieses Geschenk ist der Wille. Ja, ihr habt richtig gehört, unser Wille. Nun, von klein auf konnte ich immer wieder hören: „Du sollst nicht immer sagen: Ich will!“ oder „Dein Wille ist völlig nebensächlich!“ Ich war zwar nur recht selten damit gemeint, aber bei so vielen Geschwistern, die auch immer wieder korrigiert werden mussten, prägten sich diese Aussagen schon ein. Nun haben wir uns anfangs Gedanken über das Verhältnis zwischen Braut und Bräutigam gemacht. Und dabei haben wir das Wort Hingabe so betont. – Wie können wir jetzt auf einmal von unserem Willen sprechen, dazu noch als ein Geschenk Gottes? Wille und Hingabe – wie passt das zusammen? Vielleicht sollte ich euch dazu eine Begebenheit aus jüngster Vergangenheit erzählen. Erfahrung: Der rauchende OfenEs war an einem Sonntagabend. Wir kamen gerade von einer Reise wieder, bei der wir gleichzeitig Vorbereitungen für eine Bibelfreizeit getroffen hatten. Müde von den kurzen Nächten, den vielen Eindrücken und der langen Fahrt kamen wir zu Hause an. Während Bastel den Garten wässerte, brachte ich die Kinder ins Bett. Ich freute mich schon auf einen gemütlichen Abend mit meinem Mann. Solche Abende sind dankbarerweise schon ein fester Bestandteil unseres Tages. Da sitzen wir auf unserer Ofenbank, und ich knacke Nüsse, während Bastel einen Abschnitt aus der Bibel oder einem anderen guten Buch vorliest. Dann tauschen wir uns darüber aus, auch über alles, was uns sonst so bewegt, was wir am Tag erlebt haben und wie wir Gottes Wirken gespürt haben, oder auch, wo wir versagten. Wir halten uns Gottes Verheißungen vor Augen und sprechen uns Mut zu, oder wir suchen in der Schrift Antworten auf unsere Fragen. Diese gemeinsame Zeit am Abend hat uns als Ehepaar unheimlich zusammengeschweißt und stark gemacht in all den Herausforderungen und Schwierigkeiten, die uns in unserm Dienst immer wieder begegnen. Und nach solch einer gemütlichen Abendstunde sehnte ich mich. Nun war die Zimmertemperatur bei 16°C. Das fand ich nicht gerade passend für diese besondere Abendstunde. Also zögerte ich nicht und feuerte den Ofen an. Doch was dann geschah, hab ich in meinem ganzen Leben noch nie gesehen: Statt dass der Rauch aus dem Schornstein stieg, quoll er aus den Ofenklappen hervor. Und das in unvorstellbarer Intensität! In wenigen Minuten war die gesamte Etage voll dickem, schwarzem Qualm! Mit brennenden Augen und nach Luft ringend öffnete ich alle Fenster, aus denen es dann bald heftig qualmte. Schnell rannte ich zu Bastel in den Garten und bat ihn um Hilfe. Doch er wässerte müde unsere Pflanzen und murmelte etwas von Fenster aufmachen. Als er nach langem Drängen dann endlich kam und sich ein Bild von der Katastrophe machte, fand er keine anderen Worte als einen Vorwurf, wie ich denn bei solch schönem Wetter nur auf die Idee kommen konnte zu heizen. Sicher, es wurde endlich schön, und es war einer der ersten Frühlingstage. Die Sonne schien selbst am Abend noch intensiv genug, um ein Heizen zu erschweren. Doch ich war kein Anfänger, was Ofen heizen betrifft. Darin hatte ich schon jahrelang Übung. Sicher, das Holz, das Bastel mir hingestellt hatte, fand ich etwas eigenartig, aber ich dachte, es sei nur nicht das übliche, was ich gewohnt war. So nahm ich davon ohne Bedenken. Doch dass es unser Haus mit dickem schwarzem Qualm ausfüllen und in ein reinstes Räucherhäuschen verwandeln würde, hatte ich ja nicht geahnt. Nun probierte Bastel wortlos dies und das, aber es änderte nichts. Irgendwann ging er unverrichteter Dinge wieder in den Garten, um die Erde zu wässern. Mich ließ er mit dem immer noch rauchenden Ofen allein zurück. Er sprach mich schuldig und überließ mir die Konsequenzen, denen ich hilflos und ohnmächtig gegenüberstand. Bitterkeit machte sich in meinem Herzen breit. Und bald herrschte ein perfektes Gefühlschaos in mir. Immer wieder rannte ich raus und atmete tief durch, schrie innerlich zu Gott um Hilfe und überlegte angespannt, was ich denn tun sollte. Im Geist hörte ich schon die Sirenen heulen und die Feuerwehr kommen, weil die Feuerwache, die unseren Wald bewacht, auf uns aufmerksam werden könnte. Wenn die wirklich vor der Tür stünden, und das war nicht unwahrscheinlich, wer sollte die Kosten dafür tragen? Und was sollten sie nur von mir denken, wenn ich nicht mal fähig bin, einen ganz normalen Kachelofen zu heizen? Der Gedanke daran peinigte mich, zudem die bitteren Gefühle und Gedanken gegen Bastel, die immer wieder in mir rumorten: Warum verurteilt er mich einfach so, ohne sich auch nur die geringste Mühe zu machen, mich zu verstehen? Warum hilft er mir nicht? Warum überlässt er mir die Verantwortung für alles, wo er doch weiß, wie hilflos ich bin? Dazu kamen auch gleich noch Erinnerungen an frühere Ereignisse. Und schon bald war mein Bild von meinem Mann so entstellt, dass kaum ein Funken Liebe zu ihm übrig blieb. Typisch Bastel! Wenn's brennt, zieht er sich immer zurück und lässt mich allein! „Dani, das entspricht ja nun auch nicht der Wahrheit!“ spürte ich Gottes sanfte Stimme durch mein Gewissen. „Willst du wirklich solch schlechte Gedanken hegen? Sie helfen dir ja doch nicht weiter! Hast du nicht schon oft genug erfahren, wie unglücklich sie dich machen? Magst du nicht anstelle dessen darüber nachdenken, welch ein Glück du mit deinem Schatz hast, wie gut er zu dir gewöhnlich ist?“ Aber ich dachte, ich hätte jetzt keine Zeit, darüber nachzudenken. Schließlich musste ich mich um den Brand oder besser, um den nicht brennenden Ofen kümmern. Das Qualmen musste mal ein Ende haben, und dieses war noch nicht abzusehen. So suchte ich mir feuerfeste Eimer und holte dann nach und nach alle glühenden und rauchenden Scheite aus dem Ofen. An freier Luft brannten sie gleich viel besser und ich hatte meine Mühe, sie raus in den Hof zu bringen. Nun qualmte es dort. Und wieder dachte ich an die Feuerwache. Als ich gerade Wasser auf die Scheite gießen wollte, kam Bastel und meinte, er wolle noch mal ein Feuer im Ofen machen und wenn es dann so richtig brennt, all diese Scheite so nach und nach wieder dazugeben. Das war zwar praktisch und sparsam gedacht, war aber wieder mit viel Rauch verbunden. Doch Bastel ließ sich nicht beirren. Einerseits war ich ja froh, dass sich Bastel nun endlich mit der Situation identifiziert und mir hilft, doch er hatte nur ganz andere Lösungsstrategien als ich. Und wieder entbrannte ein Kampf in meinem Herzen. Auch dieses Mal bemerkte ich das Werben meines Heilandes: „Dani, du bist so geladen. Gib Mir doch all deine Gefühle und die vielen Gedanken, die dir durch den Kopf schwirren und dich nur belasten. Vertrau Mir, Ich bin doch da, Ich helfe euch und… Ich möchte dir Frieden schenken.“ Ja, ich wollte endlich Frieden im Herzen haben. Ich ließ mich darauf ein und widmete mich systematisch der Schadensbeseitigung. Allerdings tat ich es halbherzig. Nein, ich meine nicht die Schadensbeseitigung, sondern dieses Einlassen auf Gott. Ich wollte zwar den inneren Frieden haben, den ich kannte, wenn ich mein Recht auf meine Laune völlig an Gott abgab, aber ich fand meine Gefühle und Gedanken gegenüber Bastel durchaus gerechtfertigt und wollte sie gar nicht so einfach vermissen. So kam es, dass ich zwar erst einmal ruhiger wurde, doch bei jeder Reaktion von Bastel von neuem verletzt wurde und dieses Gefühlschaos wieder ausbrach. Das befriedigte mich nun auch nicht. Eigentlich sehnte ich mich doch nach Frieden im Herzen. So betete ich wieder um Befreiung, und Gott befreite mich davon, allerdings immer nur soweit, wie ich es zuließ. Mich völlig Gott hinzugeben, das wollte ich auch noch nicht. Immerhin hatte ich doch ein Recht, Bastel zu grollen, das musste Gott doch verstehen. Also ein gewisses Maß an aufbegehrenden Gefühlen musste ich mir schon bewahren, immerhin entsprachen sie der Situation, waren mittlerweile sachlich und nicht mehr übertrieben. Das ging so hin und her bis zum nächsten Nachmittag. Das ganze Haus stank immer noch fürchterlich und der Frühjahrsputz von letzter Woche war vergeblich. Ich schrubbte und wusch, putzte Fenster und reinigte Polster. Es war mühsam. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Zeit für solche Sachen, ich musste dringend all sieben Predigten für ein Seminar ausarbeiten. Und Bastel ließ mich wieder allein! Plötzlich war all der Schmerz erneut in mir da, und in kaum zu ahnender Geschwindigkeit befand ich mich wieder im Chaos meiner Gefühle und Gedanken. „Gott, ich will da raus!“ betete ich. „Willst du da wirklich raus?“ bemerkte ich Gott nachfragen. Solch eine Gegenfrage stellt Er mir öfter. Das bedeutet nicht, dass Er mich hinterfragt. Vielmehr festigt es meine Entscheidung, meine belastenden Gefühle und Gedanken Ihm wirklich abzugeben, das Recht darauf wirklich aufzugeben. Und diesmal entschied ich mich, Ihm völlig zu vertrauen und Ihn gründlich in mir aufräumen zu lassen. Allein diese Entscheidung stimmte mich glücklich. Ich wusste, nun wird alles gut werden, denn ich habe die richtige Wahl getroffen. Und die Vorfreude auf ein friedliches Herz und die Nähe meines Heilandes vertrieben all die dunklen Gedanken. Liebe durchströmte mich, Liebe zu meinem Heiland und Liebe zu meinem Mann. Und während ich mich nun frohen Mutes mit den Reinigungsarbeiten beschäftigte, redete ich gedanklich mit meinem Heiland. Natürlich wollte ich verstehen, warum wir in diese missliche Lage gekommen sind, wo wir doch ohnehin schon unter Stress standen. Inmitten dieses Gespräches musste ich an die Worte des Propheten Nahum denken: „Der Zerstörer ist gegen dich herangezogen, bewache die Festung, beobachte die Straße, stärke deine Lenden und nimm deine Kraft aufs äußerste zusammen.“ (Nah. 2,2) Es war ein Angriff Satans gewesen und Seminarvorbereitungen sind eine willkommene Zeit dafür. Gott hat es zugelassen, damit wir daran reifen können. Doch wie haben wir diese Chance genutzt? Traurigkeit erfüllte mein Herz, weil ich so schlecht über meinen Mann gedacht habe, und weil ich erst so spät meinem Heiland folgte. Dennoch fühlte ich mich von Ihm geliebt. Ja ich wusste, dass es nun große Freude im Himmel über mich gab, weil ich endlich zurückgekehrt bin. Die VogelperspektiveNun, das war die Geschichte. Wenn man mittendrin steckt, ist es ganz schön aufregend. Und ihr konntet sicher erahnen und mitempfinden, mit welchen Emotionen und Gedanken ich erfüllt war. Wenn man nun diese Begebenheit aber mal von oben aus der Vogelperspektive betrachtet, wie sieht sie dann aus? Mit der Zeit ist es mir ein Bedürfnis geworden, mich in meinen Heiland hineinzuversetzen. Sicher, ich weiß, dass es immer nur unzulänglich geschehen kann, aber so wie ich versuche, mich in meinen lieben Mann hineinzudenken und ihn zu verstehen, so passiert das unwillkürlich auch in bezug auf meinen himmlischen Bräutigam. Und es ist wirklich ein Segen, Ereignisse des Tages abends im Zwiegespräch mit Gott auf diese Weise auszuwerten und zu betrachten. Dabei sind mir schon unglaublich viele Dinge klar geworden. Während ich damals den Ofen heizte, war Gott da. Er wusste, was gleich passieren würde. Dennoch warnte Er mich nicht. Schließlich füllte Er mein Herz aus und würde mich gut durchbringen können. Als jedoch die Katastrophe sichtbar wurde, und die Leidenschaften in mir angestachelt wurden, warb Er darum, noch völlig mein Herz erfüllen zu können. Doch ich entschied mich ohne zu überlegen, einfach aus der Situation heraus, unwillkürlich dagegen – ohne dass es mir überhaupt bewusst war. So musste mein Heiland zusehen, wie ich mich abmühte und allein kämpfte. Und jedem Liebenden tut es weh, weh man sein Liebstes leiden sieht. So auch Ihm. Er litt mit mir. Dabei sehnte Er sich danach, mir helfen zu können. Er ist doch der Erlöser, der Erretter, mein Heiland – nicht nur in baldiger Zukunft, sondern gerade jetzt! Er hatte doch die Lösung, Er könnte den schmerzenden Stachel ziehen. Er könnte mir Frieden schenken. Doch ich schlug fast nichtsahnend Seine ausgestreckte Hand aus. Ich war mit mir beschäftigt. Und wie muss Gott bei meinen Hilfeschreien empfunden haben? Sicher, Er sehnte sich regelrecht danach, mir zu helfen, doch wenn ich Seine Hand nicht fasse und mir eine andere Lösung vorstelle, was kann Er dann noch tun? Als mein Bräutigam begehrte Er die Schönheit meines von Ihm gereinigten Herzens. Dort wollte Er wohnen und mit mir aufs Zärtlichste verbunden sein. Und nun verschmutzte ich es so durch das Hegen schlechter Gedanken und setzte Ihn vor die Tür. Die LösungMerkt ihr, aus dieser Sicht sieht die Situation ganz anders aus. Gott sehnte sich die ganze Zeit über danach, mich von all den nervenaufreibenden Emotionen zu erlösen, mir ein reines Herz und einen klaren Kopf zu schenken. Woher weiß ich das? Nun, das sagt mir die Bibel: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken“ Matthäus 11,28 „Aber der Herr ist treu; er wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ 2.Thessalonicher 3,3 „Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.“ Johannes 14,15 Ich schrie zwar zu Gott um Hilfe, aber ergriff Seine rettende Hand nicht. Die Lösung, die Gott mir vorschlug, behagte mir nicht so richtig, da ich meinte, ein Recht auf all die falschen Gedanken zu haben. Ich wollte nicht zuallererst die Herzensarbeit und dann die sachliche Lösung. Herzensarbeit war mir in diesem Augenblick völlig nebensächlich, ja im Grunde genommen zuwider, da es den Tod meines Egos, meines Ichs bedeutet hätte. Doch wann bin ich befreit worden? Wann schmerzte mich die ganze Situation nicht mehr? Wann konnte ich diese schlechten Gedanken und sogar die nervenaufreibenden Gefühle abschütteln? Als ich von meinem Willen Gebrauch machte und mich entschied, nicht mehr diese sündhaften Gedanken zu pflegen. Leider sind bis dahin viele Stunden vergangen, Gott hätte mich schon viel eher erlöst, wenn ich nur wirklich gewollt hätte. Willentlich vertraute ich mich schließlich dem Herrn an, praktizierte Hingabe bis in die tiefsten Tiefen des Herzens. Mit meinem Willen entschied ich mich, mein Recht auf Selbstbestimmung an meinen lieben Heiland abzugeben. Erst als ich das tat, befreite mich Gott auf wunderbare Weise von all den sündhaften Gedanken und den dazugehörigen Gefühlen. Die GrafikWir hatten schon festgestellt, dass es im Grunde genommen drei Stimmen gibt, die unser Denken und Handeln beeinflussen: die Stimme Gottes, die Stimme des Fleisches, also meine natürlichen menschlichen Wünsche und Begehren, und die Stimme Satans. Die folgende Grafik wird uns die Bedeutung des Willens verdeutlichen. Sie hilft uns, zwischen der Stimme Gottes und der Stimme des Fleisches, unserer menschlichen Natur, zu unterscheiden, damit wir gute Entscheidungen treffen können.
Jeder Mensch steht in einem Spannungsfeld zwischen den niederen und höheren Kräften. Der Heilige Geist spricht zu uns durch die höheren Kräfte: Vernunft, Logik, Gewissen. Hier will Christus regieren. Er möchte, dass diese Instanzen durch tägliches Bibelstudium fest auf Sein Wort gegründet sind. Unsere Gedanken, mit denen alles beginnt, sollten von Ihm her geprägt sein. Wenn wir vor Entscheidungen stehen, egal ob es sich um greifbare Entscheidungen handelt oder ob wir in Versuchungen geraten, kommuniziert Gott über diese Kanäle und zeigt uns, wie wir in Hingabe an Ihn handeln können. Das ist die Stimme der höheren Kräfte. Natürlich ist nicht jeder Gedanke göttlichen Ursprungs. Das haben wir im letzten Kapitel schon besprochen. Dennoch spricht Gott gerade in den brenzligen Situationen unsere Vernunft, unser Gewissen an und möchte uns auf der Grundlage Seines Wortes aufzeigen, wie wir handeln können. Wir haben dann die Wahl. Satan versucht uns durch die niederen Kräfte. Er spricht unsere Gefühle, Lüste, Neigungen und Wünsche an. Ja, er impft uns direkt mit seinen Gedanken und Gefühlen. Auf diesem Weg will Satan unsere Entscheidungen beeinflussen. An sich sind ja Gefühle, Wünsche und dergleichen nichts Schlechtes, sondern sogar eine Gabe Gottes. Ohne sie wären wir keine Persönlichkeit mehr. Doch Gott möchte, dass wir gute Gefühle und positive Empfindungen haben. Dennoch besitzen wir nicht die ungefallene Natur, wie einst Adam oder die Engel. Das Gefühlsleben wurde durch Übertretung der gottgegebenen Grenzen entstellt. Werden unsere niederen Kräfte verfälscht oder falsch angewandt, und damit zur Leidenschaft, rebellieren sie gegen die höheren Kräfte. Stehen wir vor Entscheidungen, ganz gleich ob vor sachlichen oder in der Versuchung, geben auch sie ihre Stimme ab. Allerdings nicht als höflichen Vorschlag, wie Gott es durch die höheren Kräfte tut, sondern vielmehr wie trotzende Kinder, die ihren Willen unbedingt durchsetzen wollen. Ihr kennt sicher alle, wie unser Herz bei Schwierigkeiten, Verletzungen oder Beleidigungen aufgewühlt wird und unsere Emotionen uns beherrschen wollen. Wie ihr in der Grafik sehen könnt, befindet sich unser Wille genau zwischen diesen beiden Polen. Seine Aufgabe ist es, wie ein Richter ein Urteil über Gut und Böse zu fällen. Dazu hört er sich beide Seiten an und berät sich dann mit dem Heiligen Geist, um zu einer Entscheidung zu kommen. Unser Wille ist die von Gott gegebene Entscheidungsfreiheit. Der Wille ist die höchste Kraft im Menschen. Mit unserem Willen sollten wir all die vielen großen und winzigen Entscheidungen im Leben treffen. Ihm kommt eine hohe Bedeutung zu. Ungeachtet aller Umstände und Emotionen haben wir immer das Recht und die Pflicht, uns frei zu entscheiden, wem wir dienen wollen. Ellen Gould White, eine bedeutende Dienerin unseres Gottes und Bibelkommentatorin, erklärte in vielen ihrer Büchern gerade auch diese Thematik. Im „Ruf an die Jugend“ schrieb sie auf Seite 114: „Der Wille ist die regierende Kraft im Menschen, der alle anderen Kräfte unter seinen Einfluss bringt. Der Wille ist nicht der Geschmack oder die Neigung, sondern die Kraft, die alle Entscheidungen trifft, die in den Menschenkindern wirkt zum Gehorsam gegen Gott oder zum Ungehorsam… Du wirst in ständiger Gefahr sein, bis du die wahre Stärke des Willens verstehst. Du magst alles glauben und versprechen, aber deine Versprechen oder dein Glaube sind wertlos, bis du den Willen auf die Seite des Glaubens und der Tat stellst… Wenn du dies tust, wird sich Gott sofort deiner bemächtigen und das Wollen und das Vollbringen in dir wirken nach seinem Wohlgefallen. Deine ganze Natur wird dann unter die Herrschaft von Gottes Geist gebracht; sogar deine Gedanken werden ihm unterstellt. Du kannst deine Regungen und Gefühle nicht so beherrschen, wie du willst, aber du kannst deinen Willen kontrollieren, und du kannst eine vollständige Veränderung in deinem Leben bewirken.“ In ihrem kleinen Büchlein „Christi Gleichnisse“ steht auf der Seite 236: „Wenn der Wille des Menschen mit dem Willen Gottes zusammenwirkt, wird er allmächtig.“ Genau das können wir in Philipper 4,13 lesen: „Ich vermag alles durch den (oder in dem), der mich stark macht; Christus.“ Und jetzt könnt ihr euch vorstellen, warum Satan nicht möchte, dass wir von unserem freien Willen Gebrauch machen. Er mag lieber willensschwache Persönlichkeiten. Denn dann muss seine Stimme nur laut genug sein und die natürlichen, schon verdorbenen Gefühle verstärken – und schon handeln wir, ohne auch nur nachzudenken und von unserer Entscheidungsfreiheit Gebrauch zu machen und gelangen oder bleiben in Abhängigkeit von Satan. Verstehen wir die Notwendigkeit? Als Adam und Eva in Sünde fielen, wurde der Same des Ungehorsams ausgestreut. Das ist das Erbe, welches jede weitere Generation immer weiter herunterzieht. Weil die Sünde in die menschliche Familie Einzug gehalten hat, bringt uns unsere natürliche Veranlagung automatisch unter die Herrschaft Satans. Solange wir ohne göttliche Hilfe sind, folgt unser Wille Satan, und wir denken und fühlen wie er. Wir spiegeln seinen Charakter wider. Darum fällt es uns auch so leicht, egoistisch zu sein, und so schwer, das Gute zu tun. Unser freier Wille ist ein unermesslicher Segen von Gott, aber die Sünde hat auch ihn schon verdorben, so dass wir ohne Erleuchtung durch den Heiligen Geist eher das Falsche wählen. Wir müssen unseren Willen in die Hände Jesu legen, bevor wir in der Lage sind, richtig zu entscheiden. Jesus nimmt gewissermaßen unseren Willen und gibt ihn uns gereinigt wieder. Kein MissverständnisBitte versteht mich nicht falsch: Unser Wille ist nicht dazu da, falsche Gedanken, Worte oder Taten, die in uns hochkommen, einfach zu unterdrücken. Das ist, als wolle man auf einen kochenden Topf den Deckel pressen. Das klappt nie, und wie der Wasserdampf kommt der falsche Geist immer irgendwie zum Vorschein – und das meist zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Der Herr sagt uns in Johannes 15,5: „Ohne mich (oder getrennt von mir) könnt ihr nichts tun.“ Agierst du als natürlicher Mensch – die Bibel nennt das im Fleisch sein, oder fleischlich gesinnt sein –, dann werden alle deine Anstrengungen scheitern. Dann bemühst du dich nämlich nur um äußeren Schein, ohne innen am Herzen zu arbeiten. Sünde wird dann lediglich zugedeckt oder verdrängt, selbst wenn du noch so sehr gegen die Sünde kämpfen magst. Am Herzen selber können wir nicht arbeiten, selbst mit unserer ganzen Willens- und Entscheidungskraft nicht. Wenn wir uns jedoch bewusst und willentlich an Jesus wenden und uns Ihm völlig anvertrauen, dann kann Er unser Herz reinigen. Dann sind wir innen und außen rein. Unser Wille soll nicht die Sünde bekämpfen, sondern sich Gott, unserem Erretter, unterstellen, damit Er das Böse besiegen und vernichten kann. Kein Zwang!Nun, wenn wir uns das so richtig bewusst machen, kommen wir zu dem Schluss, dass Satan uns eigentlich nie zum Sündigen zwingen kann. Bisher habe ich immer gedacht, wenn die Emotionen erst einmal so richtig in mir hochkommen und in der Situation sicher auch durchaus berechtigt sind, bliebe mir keine andere Wahl, als diesen Gefühlen in Wort und Tat nachzugeben. Ich fühlte mich gezwungen zu sündigen. Doch das wollte ich nicht, darum versuchte ich dagegen anzukämpfen und mich zu wehren, aber meine aufgewühlten Leidenschaften waren immer stärker als ich – irgendwann brachen sie aus. Ich fand das frustrierend. Da möchte Gott von uns, dass wir Ihm dienen, und preist die glücklich, die reinen Herzens sind, aber ich sah keine echte Chance zum Überwinden in der Versuchung. Und ich fühlte mich komisch, immer wieder mit denselben Sünden zu meinem Heiland zu kommen und Ihn um Vergebung zu bitten. Ja sicher, ich war dankbar für die Vergebung und nahm sie immer wieder in Anspruch. Auch heute falle ich immer wieder in Sünde, wenn auch längst nicht mehr so oft, und Gott ist treu und vergibt. Doch ich las auch in meiner Bibel, genau dort, wo wir ganz am Anfang von der Reinigung lasen: „Kinder, lasst euch von niemand verführen! Wer recht tut, der ist gerecht, wie auch jener gerecht ist. Wer Sünde tut, der ist vom Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an.“ 1.Johannes 3,7 oder „Wer in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.“ 1.Johannes 3,6 Wenn ich mich von meinen aufgewühlten Emotionen beherrschen lasse, dann kann ich zwar meinen, ein Kind Gottes zu sein, aber wer ist mein eigentlicher Herr? Wer regiert mich in diesem Moment? Johannes beschreibt hier ganz ungeschminkt, dass es in meiner Entscheidung steht, ob ich unter Jesu Herrschaft stehe oder ein Knecht des Feindes bin. Im Schrifttum von E.G. White gibt es auch viele solcher Aussagen, zum Beispiel im 4.Band der Zeugnisse S.580: „Viele, die sich zum Glauben bekennen, wissen nichts von wahrer Bekehrung. Sie haben keine Erfahrung im Verkehr mit dem Vater durch Christum Jesum. Sie haben niemals die Kraft göttlicher Gnade in der Heiligung des Herzens erfahren. Sie beten und sündigen, sündigen und beten, und ihr Leben ist angefüllt mit Bosheit, Betrug, Neid, Eifersucht und Eigenliebe (ohne dass es ihnen bewusst ist – vom Autor hinzugefügt). Die Gebete dieser Menschenklasse sind vor Gott ein Gräuel.“ Es war also durchaus gerechtfertigt, dass ich es als belastend empfand, immer erst sündigen zu müssen. Gab es da keinen Ausweg? Der FluchtwegDoch wie glücklich war ich, als ich zum erstenmal in meiner Bibel folgende Worte im Jakobusbrief fand: Jakobus 4,7.8 „So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch; naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!“ Hier habe ich zum erstenmal erfahren, dass Satan fliehen wird und uns nicht zum Sündigen zwingen darf. Diese Aussage bestärkt auch 1.Korinther 10,13 „Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt.“ Hier wird uns wieder versichert, dass wir nicht unbedingt sündigen müssen, dass Satan uns auch nicht so arg zusetzen kann, bis wir gezwungenermaßen so handeln müssen. Gott verspricht, uns einen Ausweg zu schaffen. Ja, aber was ist nun der Ausweg? Ich habe seit frühester Kindheit versucht, immer schön lieb zu sein, so wie es mir immer gesagt wurde. Ich habe versucht, dem Teufel zu widerstehen, selbst mit meiner ganzen Willenskraft. Aber es klappte nie wirklich. Schauen wir uns noch einmal den Jakobustext an. Wenn wir genau hinschauen finden wir auch die Lösung. Wie beginnt Jakobus seine Aussage? „So unterwerft euch nun Gott!“ Bevor er schreibt, dass wir Satan entschieden entgegentreten sollten, fleht er uns an, uns Gott zu unterstellen. Was bedeutet das? Luther und manch andere übersetzen: „So seid nun Gott untertan!“ Da steht wieder das Bild von der Magd vor unseren Augen. Ihr erinnert euch, wir haben ausführlich darüber nachgedacht, was es bedeutet Magd oder auch Knecht zu sein. Wir sprachen von all ihren Pflichten, aber auch von ihren Rechten. Und als Magd oder Knecht des Herrn haben wir dieselben Rechte und Pflichten. Jede Magd genießt den Schutz ihrer Herrin. Und bei Angriffen und Gefahr muss sie nicht allein dagegen ankämpfen, sondern flüchtet zu ihrer Herrschaft. Nachdem sie über die Notlage berichtet hat, gehorcht sie den Anordnungen von oben. Sie denkt sich nicht selber Lösungsstrategien aus, sie kämpft auch nicht allein, noch lehnt sie sich in den Sessel zurück und meint, es sei außerhalb ihrer Verantwortung – nein, sie vertraut sich ihrer Herrschaft an und ordnet sich mithelfend unter. „So seid nun Gott untertan“ – sagt uns das Wort, unterwerft euch Gott, unterstellt euch Gott mit aller Entschiedenheit, damit widersetzt ihr euch dem Teufel. Dann muss er von euch fliehen. „Gebt euch selber auf und fügt euch unter Gott“ – so kann man die engl. King James Version übersetzen. Gebt euer Recht auf die euch beherrschenden Gefühle, Emotionen und Gedanken auf und liefert euch eurem Erretter, eurem Erlöser aus, dann wird Satan fliehen, weil Christus alle Macht hat und Satan ein besiegter Feind ist. Und das geschieht nicht automatisch, sondern ist die Aufgabe unseres Willens. Erfahrung: Rote AmpelnDamit wir mit dieser Thematik etwas vertrauter werden, erzähle ich euch abschließend noch eine Erfahrung: Es war zu der Zeit, als wir noch in Pirna bei Dresden wohnten. Damals habe ich zum erstenmal die Texte in meiner Bibel gefunden, über die wir eben nachgedacht haben, und war völlig erstaunt über den Fluchtweg, den Gott uns in Versuchungen geschaffen hat. Und es dauerte gar nicht lange, bis ich ihn schon ausprobieren konnte. Jeden Tag musste ich schon früh am Morgen nach Dresden zur Arbeit fahren. Ich fuhr zuerst mit dem Bus in die Stadt, ging zum Bahnhof, fuhr mit der Bahn weiter, machte dann einen Dauerlauf, um den Bus noch zu erreichen und flitzte letztendlich noch zur Straßenbahn. Es war nicht gerade ein gemütlicher Arbeitsweg, den Frühsport hatte ich also gratis. Doch am Morgen ging das alles noch, abends war ich dann geschafft von der langen Arbeit und der „Reisestress“ war einfach anstrengend und lästig. So manches Mal wünschte ich mir, doch gemütlich von einem Verkehrsmittel zum anderen laufen zu können, besonders da ich mit unserem ersten Kind schwanger war. Doch das würde bedeuten, dass abends in Pirna kein Bus mehr in die Richtung unserer Siedlung fahren würde. Und etwa fünf Kilometer nach den Anstrengungen des Tages noch zu Fuß gehen, dazu bergauf, wollte ich dann doch nicht. Außerdem warteten zu Hause verschiedene Haushaltsaufgaben auf mich, die ich irgendwie noch erledigen musste, bevor ich müde und geschafft ins Bett sank, um nach wenigen Stunden wieder aufzustehen und von Neuem durch den Tag zu flitzen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wie unruhig ich innerlich wurde, als sich der Feierabend näherte, und wie ich dann sofort losrannte, sobald alle Aufgaben übergeben worden waren. Ich hatte wirklich keine Zeit, die Verkehrsregeln zu beachten. Rote Ampeln ignorierte ich, zumindest in kleineren Straßen. Andere machten es ja ebenso. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen dort in Dresden so durch die Straßen hetzten, sicherlich hatten sie ähnliche Probleme wie ich. Mein einziges Ziel war, nur schnell nach Hause, kein einziges Verkehrsmittel verpassen. Doch eines Tages überführte mich mein Gewissen, dass es Unrecht sei, über rote Ampeln zu rennen, auch wenn ich zuvor „gut“ geschaut habe. Mit meinem werdenden Kind im Bauch machte ich mir gerade Gedanken über Erziehungsmethoden. Ja, mit einem Kind würde ich so etwas Gewagtes nicht tun, ich wollte doch ein Vorbild sein. Doch jetzt fiel mir auf, dass die Fußgänger Dresdens nicht nur aus Erwachsenen bestanden. Könnte es etwa sein, dass ich diesen Kindern durch mein Verhalten vermittle, dass es ganz okay ist, bei Rot über die Straße zu rennen? Da entbrannte ein Kampf in meinem Herzen. Ihr versteht, was ich meine. Ich wollte unbedingt schnell nach Hause und den weiten Fußmarsch vermeiden, falls ich irgendeinen Bus oder eine Bahn verpassen sollte. Das Risiko war ohnehin schon groß genug. Andererseits folge ich gern der Stimme meines Gewissens, da ich schon zu oft erfahren habe, dass es gut so ist. Es könnte ja sein, dass Gott zu mir durch mein Gewissen gesprochen hat, und Ihm wollte ich doch unbedingt gehorchen. Ja, es wurde mir ganz deutlich, dass es Sünde ist, rote Ampeln zu ignorieren. Nun sah ich mich vor einer Herausforderung. Auf der einen Seite wollte ich Gott beim Wort nehmen und ausprobieren, ob Er tatsächlich auch in meinem Fall vertrauenswürdig ist. Doch der Preis dafür schien mir zu hoch. Ich wollte ohne Verzögerung nur schnell nach Hause. Während mir all diese Gedanken durch den Kopf gingen, konnte ich unmöglich einen Ausdauerlauf machen, so lief ich nur zügig. Bald kam ich an eine Ampel, sie war natürlich rot, während der Bus bei Grün über die Kreuzung fuhr. Da ich mich nicht entschieden genug Gott untergeordnet hatte, konnte ich einfach nicht widerstehen und rannte hinterher. Ich schaffte zwar noch den Bus, doch war mir sehr mulmig zumute. Während der Busfahrt hatte ich Zeit zum Nachdenken. War die Versuchung wirklich so groß gewesen, dass ich sündigen musste? Nein, eigentlich nicht. Ich hatte mich nur nicht willentlich für Gottes Variante entschieden. Ich hatte kein Vertrauen zu Gott, habe Ihm nicht zugetraut, mich rechtzeitig nach Hause zu bringen. So konnte ich in der Versuchung nicht widerstehen. Traurig bat ich um Vergebung. Am nächsten Tag machte mich Gott darauf aufmerksam, dass es Seiner Erziehungsmethode entspricht, mich noch einmal in ähnliche Umstände kommen zu lassen, damit ich mich üben kann. Also würde ich sicherlich wieder vor einer roten Ampel stehen, den Bus schon fahren sehen und… Als ich über mein hartes Los stöhnen wollte, war es mir, als sollte ich aufhören zu klagen und mich stattdessen schon jetzt entscheiden, wie ich dann handeln möchte. Ach, Gott ist doch ein guter Lehrmeister, Ihm lag es wirklich an mir. Ich durfte mich also morgens in aller Ruhe entscheiden, was ich am Abend tun werde. Nach dem gestrigen Versagen wollte ich an jenem Tag auf die Stimme meines Gewissens hören. Der Tag verging, und ich machte mich wieder auf den Weg nach Hause. Ich wollte losrennen, doch mein Gewissen sagte mir, dass es meinem Baby und mir besser tun würde, wenn ich gemütlich laufen würde. Der Eindruck war so klar, dass ich wusste, dass Gott es war, der zu mir sprach. Heute wollte ich unbedingt lernwillig sein und Seiner Stimme gehorchen. Also ging ich langsam los, doch unmerklich beschleunigte ich mein Tempo, worauf mich Gott freundlich aufmerksam machte. Ich versuchte wieder, etwas gemütlicher meines Weges zu gehen. Doch es war gar nicht so einfach, entgegen meiner Gewohnheit zu handeln. Bald sah ich die Kreuzung, wo ich tags zuvor so versagt hatte. Die Ampel leuchtete grün, ich hatte aber noch ein Stück Weg vor mir. Am liebsten wäre ich losgerannt, ich hätte es bestimmt geschafft, und diesmal bei Grün! Doch in meinem Gewissen flüsterte eine Stimme, nicht zu rennen, sondern gemütlich zu laufen. So tat ich es, auch wenn es in meinen Gedanken nicht mehr so gemütlich zuging. Doch ich erinnerte mich an die Bibeltexte, sie motivierten mich. Und mit dem Gedanken, dass es nicht zu schwer für mich werden wird, ging ich weiter – bis zur Ampel, deren leuchtendes Rot verkündete, dass man lieber stehen bleiben sollte. Ich tat es, sah den Bus hinter der Kreuzung stehen und wartete ungeduldig auf Grün. Sobald es aufleuchtete, rannte ich los, doch der Bus fuhr vor meiner Nase ab. Verwirrt stand ich nun im Bushäuschen, meine Augen füllten sich mit Tränen. Hatte Gott mich verlassen? Wusste Er nicht, was für Unannehmlichkeiten das für mich bedeutete? Warum hatte Er meinen Gehorsam nicht belohnt? Doch in meiner Enttäuschung fühlte ich mich bald getröstet. Ich wollte meinen Glauben nicht aufgeben, dass Gott doch noch alles gut führen kann. Die reichlich zwanzig Minuten Wartezeit nutzte ich zu einem stillen Zwiegespräch mit Ihm. Das machte mich innerlich so wohltuend ruhig, und ich fühlte mich in Gottes Hand geborgen. Nach der Busfahrt ging ich zum Bahnhof, auch hier würde ich nun lange warten müssen. Doch zu meiner Verwunderung war der Bahnsteig überfüllt mit Menschen, die nicht gerade bester Laune waren. Bald erfuhr ich, dass schon etliche Stunden kein Zug gefahren sei. Als ich noch so überlegte, was ich tun könnte, wurde durch die Lautsprecher verkündet, dass in wenigen Minuten ein Sonderzug einfahren werde, der auch in Pirna halten würde. Wie froh war ich über diese Lösung! Als ich etwas später im Zug saß, fiel mir auf, dass ich überhaupt nicht schneller gewesen wäre, wenn ich bei Rot über die Straße gerannt wäre oder irgendwelche Dauerläufe gemacht hätte. Gott hatte wirklich alles gut im Griff, Vertrauen lohnt sich. Müde, aber glücklich kam ich zu Hause an. Christus, unser ErretterIst es nicht herrlich, welch einen Erretter wir in Christus haben? Als unser Bräutigam sehnt Er sich danach, die Schönheit unseres Herzens zu genießen, sich an unserer Hingabe zu erfreuen und in uns Gestalt zu gewinnen. Doch Er stellt uns damit nicht vor große Herausforderungen, die wir sowieso nicht meistern können, sondern gibt uns gleich das Reinigungsmaterial dazu. Denken wir an Esther: Der König begehrte ihre Schönheit, aber er investierte auch darin. Die vielen Salben, Cremes und Parfüms, die teuren Kleider und so fort, stellte er zur Verfügung. Esther musste sie nur annehmen und reichlich Gebrauch davon machen. Wir können nicht Gottes Aufgabe übernehmen und uns selbst erretten. Wenn wir Gottes Willen aus eigener Kraft tun wollen, dann verehren wir einen ohnmächtigen Gott. Wir müssen aber auch nicht dem Drängen Satans nachgeben – selbst wenn es noch so stark ist – und hoffen, dass wir einst erlöst werden, wenn Christus in den Wolken erscheint. Wir haben gelernt: „Und wird der König deine Schönheit begehren – denn er ist dein Herr, – so huldige ihm!“ Psalm 45,12 In dieser Hingabe zu leben, bedeutet, unseren Willen dem Willen Gottes zu unterstellen. Sobald wir uns Gott zuwenden, wird Er unser Rufen hören, unsere Gedanken lenken und uns den Ausweg zeigen. Indem wir so mit Ihm kooperieren, bekommen wir Frieden, wo vorher das Gefühlschaos groß war. Und Satan wird in die Flucht geschlagen; unserem Erlöser kann er nicht widerstehen. Dann kann ich richtig reagieren, nicht weil in mir Gutes wäre, sondern weil Gott in der Situation durch meine bewusste Entscheidung meine Gedanken und Gefühle verwandelt und Vertrauen in Ihn wachsen lässt. Gebrauche deinen Willen und verbünde dich mit deinem Gott, dann seid ihr ein perfektes Team. Selbst den schwächsten Menschen, der mit seinem Gott verbunden ist, kann Satan nicht besiegen. David beschreibt es im Psalm 71,16 so: „Ich will kommen in der Kraft des Herrn!“ Ich will gehen, ich will wandeln, ich will leben in der Kraft meines Herrn. Das möge auch unser Wunsch sein. Merkverse„So unterwerft euch nun Gott! Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch; naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!“ Jakobus 4,7.8 „Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt.“ 1.Korinther 10,13 |
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