Auf dem Berg mit GottMüde von der anstrengenden Wanderung lagern sie sich am Fuße eines Gebirgszuges. Sie sehnen sich nach etwas Schatten, frischem Wasser und einfach einer Pause. Alle machen es sich behaglich, nur einer nicht. Mit brennendem Verlangen besteigt er den Berg. Steile Hänge, kantige Klippen, Geröllfelder – nichts kann ihn davon abhalten. Dabei gehört er nicht mehr zu den Jüngsten. Zwar sieht er noch rüstig und kraftvoll aus, dennoch hat er den größten Teil seines Lebens bereits hinter sich. Doch warum tut er das? Braucht er keine Rast? Sehnt er sich nicht nach ein wenig Erholung? Wonach sich Mose sehnt, das ist die Gegenwart Gottes. Hier war es, wo Gott ihm das erste Mal so ergreifend nah im Dornbusch begegnete. Hier war es, wo Er ihn in Seinen Dienst rief. Und von diesem Berg sprach Er, als Er sagte: „Und dies soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe: Wenn du das Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr an diesem Berg Gott dienen.“ Nach alldem, was inzwischen geschehen war, bedurfte Mose sicherlich nicht mehr dieses Zeichen. Denn die machtvollen Taten beim Auszug seines Volkes in Ägypten, am Roten Meer und in der Wüste sprachen Bände. Deutlich zeugten sie von dem allmächtigen Gott. Nun am Sinai angekommen, hatte Mose nur noch das eine Verlangen: hinauf zu Gott! Mose war erfüllt von dem Sehnen nach der Gegenwart Gottes. So erstieg er den Berg. Er wollte Gott begegnen. Und tatsächlich rief Gott ihm vom Berg aus zu. Ein GleichnisViele Male in seinem Leben rief Gott Mose auf den Berg. Mose folgte diesem Ruf, er bestieg den Berg mit allen Mühen, die es ihm machte. Er stand nicht am Fuße des Berges und brüllte: „Was?“ Er blieb auch nicht auf halber Höhe stehen und rief lauthals alle seine Wünsche zu Gott hinauf. Er wusste, dass Herrlichkeit und Stärkung auf ihn warteten, darum nahm er sich die Zeit und scheute keine Mühe, den Berg zu besteigen. Für mich ist dieses Bild ein Gleichnis geworden, ein Gleichnis für unsere persönlichen Andachtszeiten. Übrigens, in dem wertvollen Buch „Erziehung“ von E. G. White habe ich kurz darauf genau denselben Vergleich entdeckt. Wir haben auch eine Einladung – nein, mehr als das: ein Gebot, den Berg zu besteigen und Gott zu begegnen. Und das erfordert Einsatz! Ja, persönliche Andachtszeiten sind eine Audienz beim König aller Könige. Und das geschieht nicht nur nebenbei, vielleicht beim Lesen der Zwei-Minuten Andacht in unserem Andachtsbuch. Persönliche Andacht ist weit mehr! Gott möchte uns ganz nahe kommen und mit uns sprechen. Wenn wir schon Schwierigkeiten damit haben, Seine Stimme auch tatsächlich zu hören, dann ist die persönliche Andacht die Gelegenheit, Gott zu finden! Dort können wir zuallererst Seine Stimme ungestört kennen lernen, dort werden wir die Kunst des Dialogs erlernen und Stärkung und Weisung bekommen. Und wenn wir Gott erst einmal gefunden haben, sind wir ganz auf Ihn ausgerichtet und von Seiner Gegenwart erfüllt. Seine Gedanken, Seine Sichtweise der Dinge nehmen wir mit in den Tag und können all die Herausforderungen besser meistern. Überhaupt fällt es uns dann leichter, Gottes Stimme auch während des Tages zu vernehmen und in Beziehung mit Ihm zu bleiben. Persönliche Andachtszeit ist aus einem Leben der Hingabe nicht wegzudenken. Das ist auch der Grund, warum wir während dieser Woche keine gemeinsame Morgenandacht halten, sondern euch vielmehr Zeit für eure persönliche Andacht schaffen und die im Tagesplan auch so deklariert haben. HindernisseEine Bergbesteigung ist anstrengend, sie erfordert vollen Einsatz. Und der Weg nach oben ist mühsam, da schmerzt es in den Beinen, die Muskeln sind angespannt und an schwierigen Stellen wird einem ganz mulmig im Bauch. Bergsteigen hat mit Wohlfühlen nichts zu tun. Und dennoch nehmen immer wieder Menschen all die Strapazen auf sich und erklimmen Berge. Warum wohl? Ob sie den Nervenkitzel lieben? Nein, vielmehr lieben sie das, was oben auf sie wartet! Nun könnt ihr euch vorstellen, dass es dem Feind sehr unlieb ist, wenn wir uns unserem Gott nahen wollen. Und ganz selbstverständlich wird er uns Hindernisse in den Weg legen, die uns entmutigen oder ganz davon abhalten sollen. Und wenn ihr euch heute angesprochen fühlt und euch aufmacht, Gott in dieser Weise zu nahen, dürft ihr nicht verwundert sein, wenn es nicht gleich klappt, auch nicht, wenn es nie zu klappen scheint, da es immer wieder Störungen und Verpflichtungen gibt. Vielleicht gelingt es mir, einige der Hindernisse zu beschreiben, die Satan uns in den Weg legt, um ja nicht in enge Gemeinschaft mit unserem Gott zu kommen: Für die, die im Berufsleben stehen, ist die Arbeit oder besser, die knapp bemessene freie Zeit, die noch übrig bleibt, ein echtes Problem. Ein großes Hindernis sind ein voller Terminkalender und die vielen Verpflichtungen, die uns beanspruchen. Nun sind wir nicht gegen Fleiß und Engagement; dennoch dürfen sie nicht das Wichtigste aus unserem Leben verdrängen, nämlich die Gemeinschaft mit unserem Bräutigam. Müdigkeit am Morgen und Abgespanntheit am Abend sind ein zweites weit verbreitetes Problem. Nicht alle Menschen fühlen sich früh nach dem Aufwachen frisch und wohl. Manche brauchen lange, bis sie in Schwung kommen, und abends sind sie dann so geschafft, dass sie nichts mehr auffassen können. Doch auch das ist ein Hindernis, welches beseitigt werden kann, zumindest so, dass es nicht mehr im Weg steht. Wer damit Probleme hat, bespreche sie mit seinem Gott. Für die morgendlichen Schwierigkeiten ist es unbedingt nötig, den Abend vorher zeitig genug ins Bett zu kommen. Vielleicht hilft es auch, bei offenem Fenster zu schlafen. Weitere Möglichkeiten wären ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft, etwas Frühsport oder eine kalte Dusche; es reicht sogar schon, wenn man das Gesicht mit kaltem Wasser erfrischt. Meistens hilft es auch schon, wenn man gleich viel frisches Wasser trinkt. Bei Bedarf kann man es sich erwärmen. Wie auch immer – dein Gott kennt dich und kann dich am besten beraten. Und wenn es dich danach verlangt, am Morgen von Ihm gestärkt zu werden, dann wird Er eine Lösung finden. Um abends noch die Energie zu haben, Gott wirklich zu nahen, müssen wir bewusst die Verpflichtungen des Tages beschränken. Es ist ein Prinzip Satans, uns so mit Aufgaben zu überhäufen, dass wir keine Chance mehr zu einer intensiven Gotteserfahrung haben. Darum beratet euch mit eurem Gott, welche Aufgaben und Verpflichtungen wirklich nötig sind, und setzt Prioritäten. Denn Gemeinschaft mit Gott ist von großer Bedeutung, wenn man in ein Liebesleben mit seinem Gott eintritt. Ihr erinnert euch doch bestimmt noch an Rosalinda und Marie. Wer liebte wirklich? Natürlich Rosalinda. Und wie äußerte sich ihre Liebe? Waren ihr nicht die Besuche in der Jagdhütte goldeswert, trotz dass sie im Hof voll eingespannt war? Unregelmäßigkeiten hindern uns auch daran, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Sie bekämpft man am besten mit einem gut durchdachten Tagesplan. Ein Tagesplan ist überhaupt eine gute Sache. Da kann man wirklich planen, wie man leben möchte, wo Prioritäten gesetzt werden, und welche Verpflichtungen wirklich nötig sind. Das Ergebnis ist: Man lebt und wird nicht gelebt! In diesem Tagesplan kann man Zeiten für die ungestörte Gemeinschaft mit Gott reservieren. Weitere Hindernisse für eine intensive Gemeinschaft mit Gott sind Probleme und Schwierigkeiten, die uns gefangen nehmen. Da können wir selbst alle anderen Hindernisse überwinden, doch wenn wir an unseren Sorgen festhalten und sie nicht wenigstens während unserer Andachtszeiten aus der Hand geben, können wir kaum wahrnehmen, was Gott uns sagen will. Wenn wir uns nun schon auf den Weg gemacht haben, versucht Satan die Umstände so zu beeinflussen, dass wir immer wieder abgelenkt werden. Ob es ein Anruf ist, Geräusche, die unsere Aufmerksamkeit fesseln, Familienmitglieder, die uns gerade etwas sagen wollen, oder irgendwelche Blitzideen – immer sollen wir von dem eigentlich Wichtigen abgelenkt werden. Und schließlich ist es die eigene Unsicherheit im Herzen, was das, was wir gelesen und bedacht haben, uns persönlich zu sagen habe. Manchmal fühlen wir uns sogar direkt von dem gelesenen Bibelwort angesprochen, zweifeln dann aber wieder, ob es wirklich Gottes Stimme war oder nicht? Und überhaupt, man sieht nicht gleich etwas, wenn man all die Anstrengungen auf sich nimmt, um Gott zu nahen. Beziehungen müssen langsam wachsen, und Gemeinschaft pflegen muss erlernt sein. So weit entfernt!Es gibt Tage und Gelegenheiten, da spricht Gott deutlich und sofort. Überhaupt scheint Er greifbar nahe zu sein, und wir fühlen uns wohl dabei. Dann gibt es aber auch Tage, da ist es schwerer, Zugang zu Ihm zu bekommen. Und manchmal fühlen wir nichts als Sein Schweigen. Warum ist das so? Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass Gott keine Fehler macht und uns auch nicht unnütz Schwierigkeiten bereitet. Sei in solchen Situationen nicht entmutigt, verzweifle nicht! Bleibe ganz nah bei Gott und halte dich an Seine Verheißung: „Fürchte dich nicht, glaube nur!“ Gott ist dir näher als du denkst! Er hat ein Herz voller Liebe – für dich. Sein Schweigen, besonders inmitten nervenaufreibender Situationen, möchte auch dich zur Ruhe, ja zum Schweigen bringen. Wir sind oft so aufgewühlt, wie wollen wir da Gott tiefgreifend erfahren? Werde einfach still vor Ihm. Vertraue Ihm wie einem lieben Freund. Bist du wirklich bereit, Ihn tun zu lassen, wie es Seinen erhabenen himmlischen Plänen mit dir entspricht? Warte nur, bald wirst du Ihn wieder spürbar erfahren. Staunend wirst du Ihn nun noch tiefer erkennen und inniger lieben. Darum verliere nicht die Nerven, hülle dich in Sein Schweigen und vertraue. VorbereitungenWenn ich das Leben Moses studiere und die vielen Bergbesteigungen betrachte, dann fällt mir auf, dass selbst Mose nicht immer sofort in die Gegenwart Gottes durchdringen konnte. Einmal wird uns berichtet, dass er und das gesamte Volk sich zwei Tage heiligen sollten. Und Gott beschreibt ihnen genau, wie sie sich auf die Begegnung mit Ihm vorbereiten sollten – sowohl äußerlich wie auch innerlich. Doch wir kommen allzu oft ohne jede Selbstprüfung und Vorbereitung vor Gott. Nach einer flüchtigen Wortbetrachtung legen wir Ihm im Gebet vor, was wir alles von Ihm erwarten. Doch Gott ist nicht unser Laufbursche, Er ist unser König, unser Schöpfer und unser Herr! In uns steckt immer noch das Bestreben, selber Herr zu sein. Das müssen wir bewusst aufgeben und Gott erlauben, wieder Seinen rechtmäßigen Platz einzunehmen. Selbst wenn Christus mein Bräutigam ist und mich eine tiefe Liebe mit Ihm verbindet, ist Er dennoch Gott. Da ziemen sich Demut und die Bitte um ein reines Herz. Diese innerliche Vorbereitung ist für eine Begegnung mit deinem Schöpfer unabdingbar. Dann gibt es noch die äußerlichen Vorbereitungen. Mögliche Hindernisse oder Störungen sollten so weit wie möglich eingeschränkt werden. Vielleicht sind auch noch andere Vorbereitungen zu treffen, wie heizen … Selbst die Vorbereitungen dienen schon dazu, sich auf die Begegnung mit Gott einzustellen. Sie vertiefen die Sehnsucht nach Gemeinschaft und spenden reichlich Vorfreude. Die erste EtappeEin weiteres Beispiel einer Bergbesteigung finden wir im 2.Mose 24,9-18. Das wollen wir gemeinsam lesen: „Da stiegen Mose und Aaron, Nadab und Abihu und 70 von den Ältesten Israels hinauf; und sie sahen den Gott Israels; und unter seinen Füßen war es wie ein Gebilde von Saphirplatten und so klar wie der Himmel selbst. Und er legte seine Hand nicht an die Auserwählten der Kinder Israels. Und sie schauten Gott und aßen und tranken. Und der Herr sprach zu Mose: Steige zu mir herauf auf den Berg und bleibe dort, so will ich dir die steinernen Tafeln geben und das Gesetz und das Gebot, das ich geschrieben habe, um sie zu unterweisen! Da machte sich Mose auf samt seinem Diener Josua, und Mose stieg auf den Berg Gottes. Zu den Ältesten aber hatte er gesagt: Erwartet uns hier, bis wir wieder zu euch kommen; seht, Aaron und Hur sind bei euch; wer eine Angelegenheit hat, der wende sich an sie! Als nun Mose auf den Berg stieg, bedeckte eine Wolke den Berg. Und die Herrlichkeit des Herrn ruhte auf dem Berg Sinai, und die Wolke bedeckte ihn sechs Tage lang; am siebten Tag aber rief er Mose von der Wolke aus zu. Und die Herrlichkeit des Herrn erschien den Kindern Israels wie ein verzehrendes Feuer oben auf dem Gipfel des Berges. Mose aber ging mitten in die Wolke hinein, als er den Berg bestieg; und Mose blieb 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berg.“ Gott lässt Mose in Begleitung seiner wichtigsten Helfer und Vertreter zu sich hinaufsteigen, allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze. Nun, wir würden froh sein, wenn wir so weit in die Gegenwart Gottes vordringen könnten, wie die 70 Ältesten samt Aron mit seinen beiden Söhnen – denn immerhin konnten sie etwas von der Herrlichkeit Gottes schauen. Sie hielten sich in der Gegenwart Gottes auf, doch sprachen sie mit Gott? Vielleicht, wir wissen es nicht, aber es ist durchaus denkbar, dass sie Gott anbeteten und zu Ihm sprachen. Doch antwortete Gott ihnen, redete Er mit ihnen? Davon lesen wir nichts. Und dennoch war Gott nicht unsagbar weit weg! Sie verweilten ja schon in Seiner Gegenwart. Und diese Gegenwart wird sie nachhaltig beeindruckt haben. Übertragen bedeutet dieses Bild: Andacht – wirkliche Andacht, kein Fastfood-Schnellimbiss - bringt mich in die Gegenwart Gottes. Dort kann ich etwas von der Herrlichkeit Christi wahrnehmen und Seinen Frieden atmen. Solche Andachten stärken mich, richten mich wieder auf und prägen mich. Doch nicht jede Andacht bringt mich so tief in die Gegenwart Gottes hinein, dass ich auch Seine Stimme hören kann. Dazu bedarf es mehr. Nur allzu oft sind wir aber schon mit diesem Zustand zufrieden, wir sehnen uns gar nicht nach mehr. Wir freuen uns, wenn wir in Gottes Gegenwart Trost und Halt finden, und haben gar keine Vorstellung davon, wie sehr sich unser Bräutigam danach sehnt, dass wir noch weiter zu Ihm hinaufsteigen würden. Er ruft uns vom Berg aus zu, Er wirbt um unser Herz. Manchmal scheint es mir, dass Er hin und wieder zu mir herabsteigt und mich an die Hand nimmt. Unser Heiland möchte tiefere Gemeinschaft mit uns, Er möchte sich uns mitteilen. Und dazu bedarf es noch mehr ein Herauslösen aus der Alltäglichkeit dieser Welt. Die zweite EtappeWährend die 70 Ältesten dort verweilen, ruft Gott Mose und seinen Diener Josua noch höher zu sich hinauf. Und sie nehmen die Mühe auf sich und steigen Gott entgegen. Um in die Gegenwart Gottes einzudringen, bedarf es Zeit und auch einige Mühe. So mal auf die Schnelle ist das völlig unmöglich. Mose und Josua investierten echt etwas in diese Gottesbegegnung. Als sie so Gott entgegenkommen, bedeckt eine tiefe Wolke den Berg und hüllt sie mit ein. Sie kommen Gott immer näher, das spüren sie. Sie sind schon buchstäblich umhüllt von Seiner Gegenwart, dennoch offenbart Gott sich ihnen noch nicht. Ja, Er weist sie an, dort zu warten. Und es dauert noch einmal ganze sechs Tage, bis Mose Gott begegnen kann. Warum solch eine lange Zeit des Wartens? Verstreicht unterdessen nicht wertvolle Zeit, die wir mit so vielen anderen wichtigen Dingen füllen könnten? Warum spricht Gott nicht gleich zu uns? Warum lässt Er uns warten? Ich denke, Er sehnt sich nach Gemeinschaft, nach Intimität mit uns? Als wir verlobt warenAls Bastel und ich noch verlobt waren, wohnten wir sehr weit voneinander entfernt. Immerhin trennten uns über 700 Kilometer. So alle fünf bis neun Wochen – einmal verstrichen sogar dreizehn Wochen! - setzte ich mich in den Zug und fuhr nach Hause. In einem unserer beiden Elternhäuser wartete Bastel schon auf mich. Und schon lange bevor der Zug einfuhr, war Bastel auf dem Bahnhof, um mich abzuholen. Nach so vielen Wochen Trennung konnte er es kaum erwarten, dass er mich begrüßen konnte! Und als es dann endlich soweit war, der Zug einfuhr, die Türen sich öffneten und ich ausstieg, gab es jedoch kein großes Hallo, keine stürmische Umarmung und schon gar keinen Kuss. Liebte Bastel mich etwa nicht mehr? Doch, und wie er mich liebte! Nach einer kurzen, fast flüchtigen Umarmung lud er sich mein Gepäck auf, nahm meine Hand und führte mich nach Hause. Fast schweigend gingen wir nebeneinander her. Als junge Braut konnte ich dieses Verhalten kaum verstehen. Mein Herz war erfüllt mit so vielen Dingen, und ich hätte reden, reden, reden können. Doch Bastel genoss es mehr, wenn ich schwieg. Und während ich schweigend an seiner Hand ging, verloren all die Themen, die mein Herz bewegten, ihre Bedeutung. Und auch die vielen unterschiedlichsten Gefühle, die eine zehnstündige Reise voller Sehnsucht mit sich bringen, kamen zur Ruhe. Nun war ich ja bei ihm, an seiner Hand. Erst zu Hause, im vertrauten Heim, öffnete er sich, begann ein tiefes Gespräch mit mir und umgab mich mit Zärtlichkeit. Die Bahnhofsatmosphäre war ihm dazu nicht gut genug. Und schließlich war es gut so! Denn auch mein Herz war inzwischen zur Ruhe gekommen. Und die Gespräche, die wir dann führten, waren weitaus tiefer und inniger, als sie vorher hätten sein können. Warten in Seiner GegenwartBei Gott ist das ähnlich. Zwar werden wir im nächsten Kapitel erfahren, wie intensiv und überraschend direkt Gott den ganzen Tag über mit uns kommunizieren möchte, doch um in diese vertrauliche Kommunikation hineinzuwachsen, müssen wir vorerst die Kunst des Dialogs mit Gott während unserer Andachtszeiten erlernen. Selbst bis ans Ende dieser Tage, bis wir einst mit Christus vermählt werden und im himmlischen Jerusalem das Hochzeitsfest feiern, sind diese Bergbesteigungen, die täglichen Andachtszeiten, ein sehr wichtiges Element unserer Hingabe Und wenn ich wie eben zurückdenke, wie wir uns als Verlobte verhalten haben, dann sehe ich Parallelen zu Mose, eingehüllt von der Gegenwart Gottes, und doch wartend. Dieses Warten stellte Moses Geduld, seine Ausdauer und seinen Wunsch, Gott wirklich zu begegnen, hart auf die Probe. Dennoch diente ihm diese Wartezeit zur Vorbereitung. All sein Sinnen, Denken und Wünschen stellten sich tief auf den Einen ein, dem er begegnen wollte. Dann erst konnte Gott sich ihm tiefgreifend offenbaren. GottesoffenbarungUnsere persönlichen Andachtszeiten können eine ganz besondere Zeit der Begegnung mit Gott werden, so intensiv wie bei Mose, anders und beflügelnder als alles, was du bisher erlebt hast. Durch den Heiligen Geist will Gott sich mit dir wie mit einem Freund unterhalten. Er möchte dir den Schriftabschnitt, den du liest, so auslegen, wie du ihn für diesen Tag brauchst und verstehst. Darin möchte Er dir Ermutigung zusprechen und Weisung für den jeweiligen Tag geben. Und wir haben es sehr oft erlebt, dass Gott uns morgens einen bestimmten Text ans Herz legte, dessen Notwendigkeit wir erst im Laufe des Tages erkannten, wenn wir plötzlich Entscheidungen zu treffen hatten oder mit bestimmten Umständen fertig werden mussten. Dann erinnerte uns der heilige Geist an das jeweilige Bibelwort und dessen Bedeutung, und wir wurden von den Umständen nicht überrannt, sondern hatten göttliche Weisung. Wisst ihr, welch ein Schatz das ist? Diese vertrauliche Kommunikation ist der Schlüssel, nicht nur für das enge persönliche Verhältnis mit Jesus, das wir uns wünschen, sondern auch für jede Schwierigkeit, die uns begegnet. Die geistlichen MahlzeitenGott hat uns für die Gemeinschaft mit Ihm erschaffen. Das sehen wir schon bei Adam und Eva. Täglich kam Gott und besuchte sie in ihrem Garten. Sie pflegten intensiven Umgang. Doch auch nach dem Sündenfall sehnt sich Gott nach inniger Gemeinschaft mit uns. Wir können lesen, wie Er Umgang mit den Patriarchen pflegte. Dem Volk Israel gebot Er das Morgen- und Abendopfer. Das waren die Anbetungs-, die Andachtszeiten. Genau zu diesen Zeiten versorgte Er sie auch physisch. Hin und wieder kamen abends die Wachteln ins Lager, und früh am Morgen fanden sie immer das Himmelsbrot, das Manna, welches sie für den ganzen Tag stärkte. Der Morgen und der Abend sind die Mahlzeiten im geistlichen Leben. Zu diesen Zeiten möchte Gott uns jeden Tag aufs Neue beschenken. Der frühe Morgen (bevor das Manna in der Sonne schmolz) und der Abend sind die biblischen Andachtszeiten. Jesus selber hat sie uns auch vorgelebt. Ich weiß, dass das viele nicht gern hören wollen, weil sie zu diesen Zeiten zu müde, zu beschäftigt oder zu abgespannt sind. Ich kann das gut verstehen; die Anforderungen des Tages nehmen uns ziemlich gefangen. Darum ist es ja so wichtig, uns innerlich von dieser Welt zu lösen. Das Volk musste auch aus dem Lager gehen und außerhalb das Himmelsbrot aufsammeln. Und Mose musste seine vielfältigen Verpflichtungen verlassen und auf den Berg steigen. Wenn wir in einer Haltung der Hingabe leben, wird Gott uns auch zeigen, wie wir alles unter einen Hut bringen können, wie wir bei all den Mühen des täglichen Lebens diese Zeiten der Gemeinschaft mit Ihm haben können. Wenn du Ihn fragst, wird Er dir auch verraten, wann Er dir persönlich begegnen möchte. Gott hat versprochen, uns während dieser Zeiten ganz besonders zu stärken und zu segnen. Darum ist es ja auch so dumm, wenn wir davon keinen oder nur wenig Gebrauch machen wollen und uns statt dessen beliebige Zeiten suchen. Sicher ist das immer noch besser als gar keine Andachtszeiten. Doch dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir nicht so leben können, wie die Glaubenshelden damals, dass es uns an innerer Festigkeit, an Weisheit und an Nerven mangelt. Wenn Gott uns schon sagt, wann der Tisch reichlich gedeckt ist, dann werden wir doch nicht irgendwann kommen und uns mühsam von den Krümeln ernähren, oder? Im normalen Leben gehen wir doch auch ganz selbstverständlich damit um. Als wir während eines „Urlaubs unter dem Wort Gottes“ zusammen waren, stand im Tagesplan für jene Woche, dass es um 8.00 Uhr Frühstück, 12.30 Uhr Mittag und 18.00 Uhr Abendbrot gibt. Und genau zu diesen Zeiten gingen all die Teilnehmer in den Speisesaal und erwarteten mit Recht eine reichhaltige, wohlschmeckende Mahlzeit. Niemand ist auf die Idee gekommen, dort im Urlaub mal so richtig auszuschlafen und dann so zwischen 10.00 und 11.00 Uhr zu frühstücken! Ich habe sie extra gefragt! Vielleicht hat sich das der ein und andere still gewünscht, aber nie hätte jemand wirklich erwartet, dass um diese Zeit auch der Tisch gedeckt ist. Ihr Lieben, ich kann euch nur sagen, dass es sehr lohnend ist, am frühen Morgen, bevor uns irgendwelche Verpflichtungen beanspruchen, und am Abend in die Stille zu Gott zu kommen. Schon früh am Morgen wartet Er darauf, mit uns reden zu können. Kommen wir nicht, ist Er enttäuscht. Doch Er wird am Abend und am nächsten Morgen wieder auf uns warten, weil Er Sehnsucht nach uns hat. Er liebt uns! Auch für alle, die früh auf Arbeit müssen, ist es durchaus wichtig, schon vorher eine Audienz beim König aller Könige gehabt zu haben. Probiert es einfach aus, ihr werdet es merken. Er weckt mich alle MorgenWenn ich euch jetzt einen Einblick in mein persönliches Andachtsleben gebe, soll das nicht bedeuten, dass ich schon am Ziel bin, noch dass ich der absolute Maßstab bin und ihr das unbedingt kopieren müsst. Ich möchte euch einfach veranschaulichen, wie Gott mich die Theorie, die wir bis jetzt gehört haben, umsetzen ließ. Zweifellos gibt es noch mehr Möglichkeiten. Nun stehe ich nicht mehr in dieser gewöhnlichen Weise im Arbeitsleben. Und so manch einer beneidet uns, weil wir ja ausschlafen könnten, solange wir wollten. Doch ich wusste schon einige Jahre um den Segen der persönlichen Andacht in aller Frühe und wollte diese Gelegenheit gern in Anspruch nehmen. Ich sehnte mich richtig danach. Ich brauchte meinen Gott so dringend! So legte ich eine Zeit fest, wann ich früh aufstehen wollte. Es musste schon recht zeitig sein, denn die Kinder mussten unbedingt noch schlafen. Sonst hätte ich keine Ruhe. Auch wenn ich als junge Mutti mit zwei Kleinkindern und einem Baby kaum Schlaf hatte und zudem noch schwer krank war, quälte ich mich morgens entschlossen aus dem Bett. Dennoch merkte ich, dass es einfach nie richtig klappte. Entweder hielt mich ein Baby nachts wach, so dass ich morgens keine Kraft zum Aufstehen hatte, oder eines der Kinder weinte, als ich mich früh gerade daran machte, Zeit mit meinem Gott zu verbringen. Nun, das ist das Los junger Mütter. Kann man dagegen etwas tun? Was kann man machen, wenn man zeitig am Morgen schon gefordert wird und eigentlich keine Zeit zur „Bergbesteigung“ hat? Ich wusste mir keinen anderen Rat, als meinen Gott zu bitten, mich morgens zu wecken, wenn Er es für gut befindet. Und Gott ist treu. Er weckt mich bis heute Morgen für Morgen. Und das Erstaunliche daran ist, egal wie früh es ist, ich habe einen klaren Kopf. Nun bin ich nicht absolut gegen einen Wecker, ich wusste halt einfach keinen anderen Rat mehr. Erst letzte Woche habe ich erfahren, dass es dafür eine Verheißung in Jesaja 50,4 gibt, die auch Jesus in Anspruch nahm. Dort steht: „Er weckt mich Morgen für Morgen, ja, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie Jünger hören.“ Gewöhnlich werde ich so gegen 4.00 Uhr, manchmal auch gegen 5.00 Uhr geweckt. Ihr braucht darüber nicht zu erschrecken. Das ist die Zeit, die Gott für die Gemeinschaft mit mir persönlich reserviert hat. Das kann bei euch eine ganz andere Zeit sein. Oft fällt es mir nicht leicht aufzustehen, andermal ist es gar kein Problem. Ich bin eben kein geborener Frühaufsteher. Doch immer, wenn ich mich endlich aus dem Bett gewunden habe, erfüllt mich eine unbeschreibliche Freude. Vielleicht, weil ich mich überwunden habe, doch viel mehr, weil ich förmlich spüre, wie glücklich mein Bräutigam über diese Entscheidung ist. Und ich mag Ihn so gerne beglücken! Da ziehe ich mich schnell hübsch an und mache die Haare ordentlich, heize wenn nötig fix den Stubenofen, damit unsere Zweisamkeit auch richtig gemütlich wird und koche gleich eine ganze Kanne Tee. Und dann haben wir viel Zeit füreinander. Was ich an dieser Lösung ideal finde, ist, dass mein Gott mich durch und durch kennt, auch meine physischen Bedürfnisse. Erstens erschreckt Er mich nicht jeden Morgen mit einem schrill klingenden Wecker, sondern Er weckt mich sanft – manchmal auch erst gegen 6.00 Uhr oder gar 6.30 Uhr – genau so, wie es den Umständen entspricht und für meine Gesundheit zuträglich ist. Auch wenn wir einen gut strukturierten Tagesplan haben, kommt es manchmal vor, dass wir gerade von einer Reise wiedergekommen sind oder dass es andere Anforderungen gibt, die es notwendig machen, dass ich mehr Schlaf brauche. Und Gott schenkt ihn mir. Doch manchmal passiert es, dass ich nach dem Wecken auf die Uhr schaue und meine, ein Recht auf mehr Schlaf zu haben, wenn die Nacht nicht gut war oder weil es mir doch ein wenig zu früh erscheint. Eigentlich weiß ich ja, dass Gott solche Umstände und meine Bedürfnisse mit berücksichtigt, aber manchmal entscheide ich mich auch dagegen. Dann weckt mich Gott meist eine Viertelstunde später wieder, und ich spüre förmlich Sein liebevolles Werben, mit Ihm doch Zeit zu verbringen. Doch wenn ich dann immer noch nicht folgen mag, ruft Er mich für diesen Morgen nicht wieder. Und es war bisher immer so, dass ich später dann keine Gelegenheit zur ausführlichen Andacht mehr hatte. Überhaupt war es schwer, Gott zu finden. Er schien weit weg zu sein. Und unsagbar müde fühlte ich mich, viel müder, als wenn ich aufgestanden wäre. Natürlich beschwerte mich zu all dem noch mein Schuldbewusstsein. Da liebt mich mein Gott, Er, der mich geschaffen hat, Er, der für mich gestorben ist – dieser Gott möchte mit mir Gemeinschaft pflegen und ich drehe mich müde zur Seite und schlafe weiter! Ist das Hingabe? Natürlich vergibt mir mein Heiland, aber es stimmte Ihn traurig und mich mit. Viel schöner dagegen ist es, wenn man seinen Heiland beglücken kann. Und wer jetzt an Werkgerechtigkeit denkt, war wahrscheinlich nie richtig verliebt! Meine MorgenandachtNach den nötigen Vorbereitungen bete ich. Nach diesem Gespräch in aller Stille und Zurückgezogenheit sehnte sich sowohl mein Gott als auch ich. Hier kommen wir uns ganz nahe. Hier unterstelle ich mich ganz Seinem Willen. Wahrhaftig vor den Herrn zu kommen, ist aber manchmal auch echte Arbeit am Herzen. Es heißt, meinen Willen loszulassen und stattdessen Gottes Willen anzunehmen. Es bedeutet, mein Ego immer wieder aufzugeben, damit Christus mich voll und ganz ausfüllen und in mir bewirken kann, was Er wünscht. Und hier sind wir wieder bei unserem Schlüsselwort. Das ist Hingabe. Das kostet Überwindung, denn der Mensch sträubt sich vor Veränderungen, die seine natürlichen Wünsche durchkreuzen. Sich bewusst Gottes Willen zu unterstellen, das nennt die Bibel „die Gesinnung Christi haben“, und genau diese Haltung, diese Gesinnung müssen wir erlernen und mit dieser Einstellung unsere Andachtszeit beginnen. Wenn mich morgens gleich offene Fragen oder bestimmte Probleme beschäftigen, dann bitte ich meinen Heiland, dass Er mich davon befreit und mir erst einmal einen freien Kopf schenkt, damit diese Dinge unsere Zweisamkeit nicht beeinträchtigen. Ich bitte an dieser Stelle nicht darum, dass Gott mir Antworten und Lösungen schenkt. Das ist nicht das Entscheidende, auch wenn es noch so wichtig für uns sein mag. Das Entscheidende ist, in die Gegenwart Gottes vorzudringen. Alles andere regelt sich später. Bevor ich nun meine Bibel aufschlage, bitte ich Gott, mich so zu lenken, dass ich die Schriftstelle finden und lesen werde, durch die Gott zu mir heute konkret sprechen möchte. Dann nehme ich meine Bibel und lasse mich durch den Heiligen Geist bei der Textauswahl führen. Und ich bin sehr oft überrascht, wie treffend diese Textstellen und Schriftabschnitte auf meine Situation, auf meine Gedanken, ja manchmal sogar Gefühle und geheimen Wünsche passen. Nicht immer sehe ich den Zusammenhang auf den ersten Blick. Dennoch erwarte ich, dass dieser Schriftabschnitt, den Gott mich finden ließ, mir direkt etwas zu sagen hat, nicht nur allgemein. So lehne ich mich nach dem Lesen zurück und denke darüber nach. Sehr oft hilft es mir, wenn ich die Aussagen der Bibeltexte in ein Heft notiere. Beim Aufschreiben und in Worte fassen werden sie für mich klarer und aussagekräftiger. Manchmal blättre ich auch in meinen Aufzeichnungen etwas zurück und entdecke den roten Faden durch all die Botschaften der letzten Tage. Ich habe festgestellt: Gott geht nie unwillkürlich voran. Mal abgesehen davon, dass Aufschreiben und Nachlesen ein gutes Mittel gegen Vergesslichkeit sind, kann ich in diesem Kontext den jeweiligen Schriftabschnitt und dessen Bedeutung für mich besser verstehen. Auch hier komme ich in ein gedankliches Zwiegespräch mit meinem Gott. Von Ihm persönlich bekomme ich die Schrift ausgelegt und erläutert. Das übertrifft alle Erklärungen in den Andachtsbüchern. Während dieser Andachten zeigt mir Gott, wie es in meinem Herzen aussieht. Und so manches Mal bin ich erschrocken, oder zumindest erstaunt, was darin alles zu finden ist – Dinge, von denen ich nichts wusste. Wir hatten vorhin schon gesagt: Wahrhaftig vor den Herrn zu kommen, ist echte Arbeit am Herzen. Herzensarbeit ist im Grunde wie Hausarbeit. Unser Herz muss gereinigt und aufgeräumt werden, all unsere Gedanken, Gefühle, Neigungen, Gewohnheiten und Wünsche müssen geordnet werden. Dabei geht Jesus sehr behutsam voran, nie schneller, als ich auch mithalten kann. Er krempelt mich nicht von heut auf morgen um, aber Er tut Sein Werk gründlich. Neben dieser Herzensarbeit schenkt Gott auch ganz praktische Lösungen. Er erklärt mir manche Frage, gibt mir Denkanstöße bei bestimmten Problemen, ja Er erinnert mich an Dinge, die ich noch erledigen muss oder sagt mir, was ich kochen soll. Gott schenkt mir auch Ideen, wie ich den Kindern eine Freude machen kann und wie ich bestimmtes Fehlverhalten bzw. falsche Gewohnheiten korrigieren kann. So vergeht die Zeit im Zwiegespräch (denn Beten ist nichts anderes als Reden und Hören), im Nachdenken, wieder fragen, weiter Texte lesen … Und ihr könnt euch sicher vorstellen, wie nahrhaft solch eine himmlische Mahlzeit ist. Ich mag sie nicht mehr vermissen. Und unweigerlich kann man gestärkt und mit guten Gedanken, Gefühlen und voller Hoffnung in den Tag gehen. Und da man einmal so von Christus erfüllt und auf himmlische Dinge ausgerichtet ist, kann man auch während all der Aufgaben, Verpflichtungen und Herausforderungen des Tages viel leichter mit Gott verbunden bleiben und Sein Sprechen viel deutlicher vernehmen. All das möchte Christus uns jeden Morgen neu schenken! Ist das nicht großartig? Ich war erstaunt und überwältigt, als ich merkte, wie segensreich diese Zeiten sind. Doch in die Gegenwart Gottes vorzudringen, erfordert Zeit und die tiefe Sehnsucht nach Ihm. Andachtsbuch und weiteres MaterialIch gehöre einer Freikirche an, die für all ihre Mitglieder und Interessierte ein Andachtsbuch und viel Studienmaterial herausbringt. Und in den wöchentlichen Gottesdiensten wird immer wieder darauf Bezug genommen. Vielleicht ist es euch schon aufgefallen, aber mit dem Andachtsbuch oder den Studienheften kann ich während dieser Zeit nicht unbedingt etwas anfangen. Manchmal habe ich versucht, Zeit zu sparen und während meiner persönlichen Andacht die Lektionen des Studienheftes gelernt oder den für jenen Tag angegebenen Andachtstext gelesen. Aber es hat mich nur höchst selten befriedigt. Nun will ich nicht sagen, dass diese Schriften schlecht sind, doch sie können uns gar nicht so sehr ergreifen. Das ist einfach unmöglich, selbst wenn sie sehr gut und tiefgründig wären! In deiner Morgenandacht will Jesus mit dir persönlich sprechen. Und was Er alles besprechen will, haben wir ja eben erfahren. Und da nicht all die Tausenden von Christen, auch nicht die vielen Christen einer ganz bestimmten Konfession, jeden Morgen dieselben Gefühle und Gedanken haben und vor denselben Problemen und Herausforderungen stehen und all die vielen tausend Herzen nicht identisch sind und sich völlig gleichen, ist es Unsinn anzunehmen, dass Gott alle Menschen auf der Welt gleichzeitig durch ein bestimmtes vorgegebenes Thema ansprechen will. Andachtsbuch und Studienmaterial haben durchaus ihre Berechtigung. Es ist zwar sehr selten, aber hin und wieder ist es mir schon passiert, dass Gottes Geist mich während meiner persönlichen Andachtszeit beeindruckte, mal in das Studienheft zu schauen oder eine Andacht zu lesen. Dann hatte die vorgegebene Thematik auch direkt etwas mit mir zu tun. Ansonsten kann man den Andachtstext auch zwischendurch mal lesen. Es ist durchaus angebracht, während des Tages unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf Christus auszurichten, denn die Herausforderungen des Alltags wollen diese Verbindung leicht überschatten. Da kann ein Andachtsbuch gute Dienste leisten. Zusätzlich zur Andacht ist es ratsam, auch Zeiten des Bibelstudiums einzuplanen. Dort kann auch ein Studienheft Anwendung finden. Natürlich kann man immer noch Themen freier Wahl erforschen, dem sind keine Grenzen gesetzt. Ich persönlich schließe meiner Andacht meist gleich ein Bibelstudium an, wenn noch Zeit bis zu den nächsten Verpflichtungen ist. Ihr habt sicher verstanden, in der Andacht geht es nicht darum, Wissen zu sammeln. Da ist vielmehr die Gelegenheit, sich Gott wirklich zu nahen, in Beziehung zu Ihm zu treten. Und diese Gelegenheit ist zu kostbar, um sie mit anderen Themen zu füllen. Unsere AbendandachtAuch die Zeit der Abendandacht ist sehr wertvoll. In unserer gestressten Zeit hat man ja normalerweise kaum Zeit und Ruhe zum Nachdenken und Reflektieren. Doch wenn man ein intensives Leben mit Gott führen möchte, ist es unabdingbar, am Ende des Tages noch einmal Zeit mit Ihm zu verbringen. Anders als bei den persönlichen Morgenandachten treten wir abends oft als Ehepaar gemeinsam vor Gott. Die Andacht verläuft ähnlich der am Morgen. Da wir uns morgens untereinander ausgetauscht haben, welche Dinge wir jeweils während der persönlichen Andacht entdeckt haben, knüpfen wir meistens an dieser Stelle wieder an. Nach der Schriftlesung, dem Nachdenken und Hören auf Seine Stimme tauschen wir uns aus. Wir lassen den Tag Revue passieren, vergegenwärtigen uns, wie wir uns in einzelnen Situationen verhalten haben und ob wir wirklich mit Gott gewandelt sind. Während dieser Zeit besprechen wir auch vor Gott familiäre Angelegenheiten oder suchen in der Schrift Antworten auf unsere Fragen. Diese Zeiten helfen uns ungemein bei Entscheidungsfindungen und schweißen uns als Ehepaar fest zusammen. Doch die persönliche Andacht auf uns als Ehepaar auszuweiten, geht auch nur, weil wir uns den ganzen Tag über immer wieder austauschen. Wir wissen voneinander, von unseren Gedanken und Gefühlen, und von dem, was Jesus uns „zuflüstert“. Neben den persönlichen Andachten machen wir natürlich auch, wie weithin üblich, Familienandacht. Diese ist im Gegensatz zu den persönlichen Andachten recht kurz, fröhlich und geht auf die Bedürfnisse unserer Kinder ein. Doch für die persönliche Beziehung mit Gott und das geistliche Wachstum sind die Familienandachten nicht ausreichend. Sei haben durchaus eine wichtige Bedeutung, intensivieren aber nicht unsere ganz persönliche Beziehung mit Gott. Darum zeigen wir auch schon den Kindern, wie sie persönliche Andacht pflegen können. Warum machte sich Mose die Mühe?Warum machte sich Mose die Mühe und stieg immer wieder auf den Berg? Warum nahm er all die Strapazen auf sich? Konnte er es sich leisten, bei seiner riesigen Verantwortung als Volksführer immer wieder so lange einfach auf dem Berg zu sein? Mose sehnte sich nach seinem Gott. Er wusste, dass Stärkung und Herrlichkeit auf ihn warteten. Und ihm war bewusst, dass er unbedingt des göttlichen Rates bedurfte, um seine Aufgaben meistern zu können. Von da oben sahen all die Probleme und mannigfaltigen Aufgaben viel kleiner aus. Hier gewann Mose den Überblick, ja den göttlichen Blick, der ihm dann unten im Tal eine enorme Hilfe war. Und letztendlich bekam er auf dem Berg nicht nur Stärkung und Wegweisung. Er selber, sein ganzes Inneres, wurde verwandelt. Wenn wir den Charakter Moses studieren, können wir entdecken, welch eine erstaunliche Wandlung sich in seinem Herzen über all die Jahre vollzog – die Gegenwart Gottes prägte ihn. So rief ihn Gott immer wieder zu sich herauf. Und wenn wir durch die Bibel blättern, dann finden auch wir den Ruf, Gott zu nahen. Jesus hat es uns vorgelebt. Wollen wir es Ihm gleichtun? Gott wird sich finden lassenBitte seid nicht frustriert, wenn es nicht gleich klappt, wenn ihr Gottes Stimme nicht gleich hört oder Satans Hindernisse schier unüberwindbar sind. Hohe Berge besteigt man auch nicht so von heut auf morgen. Bergsteigen will trainiert sein. Das ist im geistlichen Leben nicht anders. Doch Gott hat uns versprochen, dass Er sich finden lässt. Kennt ihr den Text? Wir finden ihn im Jeremia 29,13.14: „Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“ Welch köstliche Verheißung! Gott wartet auf dich, dein Bräutigam sehnt sich nach dir! Er wird sich nicht versteckt halten. Wenn du wie Mose die Mühe auf dich nimmst, wirst du wunderbare Gemeinschaft mit Ihm haben! Das verspricht Er dir. Merkvers„Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen.“ Jeremia 29,13.14 |
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