Der Erlösungsplan

Im letzten Heft haben wir uns mit einem äußerst traurigen und folgenschweren Thema beschäftigt, dem Sündenfall. Satan ist es mit aller List gelungen, Eva und auch Adam zur Übertretung der göttlichen Weisung zu drängen. Obwohl ihnen das nicht so klar bewusst war, haben sie sich damit gegen ihren liebenden Schöpfer entschieden. Satan meinte, dass er diese Welt nun besitzen und regieren kann, da sich ihre Bewohner freiwillig für ihn entschieden haben. Die nun sündige Menschheit und die ganze Erde beanspruchte er als sein Eigentum. Satans Überlegungen waren richtig. Durch die Sünde der ersten Menschen fügte er Gott großen Schaden und viel Kummer zu.

Wie sollte Gott nun darauf reagieren?

  • Gott hätte die Sünder, also Satan und seine Anhänger und auch die Menschen töten können. Damit wäre die Sünde völlig ausgelöscht, das Sündenproblem gelöst. Allerdings wäre dadurch die menschliche Rasse ausgestorben, die Menschen, die Gott so liebte, wären unwiderruflich tot. Außerdem wäre ein neues Problem entstanden: Sowohl die Engel als auch die Wesen anderer Welten hätten dieses Handeln nicht ganz nachvollziehen können. Das Unverständnis hätte zu Angst und Verdächtigungen, zu Misstrauen Gott gegenüber und tiefer Verunsicherung geführt. Die Harmonie und der Frieden im Himmel und den anderen Welten wären gestört.
  • Gott hätte sein Gesetz abschaffen oder zumindest verwässern können. So gäbe es keine Möglichkeit mehr, zu sündigen. Es hätte dem Menschen jedoch auch die Möglichkeit genommen, aus Liebe zu seinem Schöpfer nach seinen Wünschen zu leben. Es hätte ja hinfort keine absoluten moralischen Werte mehr gegeben. Gut und Böse wären nicht mehr zu unterscheiden gewesen. Wahrheit, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit wären je nach Laune und Umständen austauschbar gewesen. Gottes Gesetz ist ein Spiegel seines heiligen Charakters. Es kann nicht geändert werden. Eine Veränderung bedeutet für Gott eine Verneinung seiner selbst. Wäre das göttliche Gesetz abgeschafft worden, käme es einer Abdankung Gottes gleich.

So wollte Gott keine dieser beiden Möglichkeiten anwenden. Sie entsprachen nicht seinem Wesen. Gott hat die Menschen mit einem freien Willen geschaffen, er wollte keine Marionetten oder Roboter, die nur mechanisch und programmiert, doch ohne echte Liebe und Zuneigung seinem Willen gehorchen. Dieser Gehorsam wäre wertlos. Somit bestand das Risiko für die Sünde von Anfang an. Gott wollte die Menschen auch nicht zum Gehorsam zwingen. Er hätte einen Polizeistaat errichten können, wo Gehorsam seinen Gesetzen gegenüber durch Drohungen und Strafen hätte durchgesetzt werden können. Diese Zwangsherrschaft hätte nur äußeren Frieden herbeigeführt und wäre eine Fassade gewesen. Sie hätte aber Auflehnung und Rebellion in den Herzen der Menschen geschürt.

Gott ist Liebe, unergründliche Liebe. Er schuf die Menschen mit einem freien Willen, umsorgte sie mit so viel Gutem und warnte sie vor Satan. Doch die völlige Freiheit, die er der Menschheit gewährte, barg auch das Risiko in sich, seine geliebten Geschöpfe zu verlieren. Gott der Vater und sein ihm gleichgestellter Sohn Jesus Christus wussten um dieses Risiko. So ersannen sie schon vor Erschaffung der Erde einen Erlösungsplan. Sie wollten die Menschen nicht verlieren, die Opfer satanischer List und Tücke werden könnten. Sie sollten eine Gelegenheit bekommen, der Herrschaft Satans zu entrinnen. Nur Liebe konnte so einen Plan ersinnen.

Dieser Plan ist sehr umfangreich und komplex. Wir werden ihn so einfach wie möglich, doch ausführlich genug betrachten, um einen Einblick von dem zu bekommen, was Gott für uns Menschen getan hat und auch heute noch tut. Darum kommen wir leider nicht umhin, dass dieses Kapitel länger als alle anderen wird. Es ist in der Tat das Herzstück der ganzen Bibel. Alle weiteren Kapitel können nur im Lichte dieses Themas richtig verstanden werden. Bitte schrecken Sie also nicht davor zurück, die vielen Seiten dieser Broschüre zu lesen. Im hinteren Teil werden Sie Erlebnisse aus unserem Alltagsleben finden, die bestimmte Aspekte des Erlösungsplanes illustrieren. Wir hoffen, dass Ihnen die „weite Wanderung“ heute nicht zu anstrengend wird. Lassen Sie sich ruhig viel Zeit dabei.

Der Richterspruch

Adam und Eva standen als Schuldige vor dem gerechten Richter und warteten auf den göttlichen Urteilsspruch. Doch ehe sie etwas darüber hörten, dass Mühe und Sorge fortan ihr täglich Brot sei und dass sie eines Tages sterben müssten, vernahmen sie die Worte an die Schlange und an Satan selbst:

„Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen: Er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ 1.Mose 3,15

Dieses Urteil machte ihnen Hoffnung und war für sie wie eine Verheißung. Es sagte Kampf zwischen der Menschheit und Satan voraus. Irgendein Nachkomme von Adam und Eva wird Satan und seine Macht besiegen. Er selbst wird dadurch verletzt werden. Doch durch seinen Sieg wird es allen Menschen möglich sein, aus der Hand Satans gerettet zu werden. Im göttlichen Gesetz ist verankert, dass auf die Sünde der Tod folge. Das ist nicht nur irgendeine recht harte Strafe, sondern eine Gesetzmäßigkeit und rein natürliche Folge.

Wer war dieser Eine, auf den schon Adam und Eva hofften? Wer sollte Bürge für die Menschheit sein? Wer ist überhaupt imstande, solch mächtiges und schwieriges Werk zu verrichten?

Sehnsucht nach dem Erlöser

Es vergingen viele Jahre, der ersehnte Retter kam nicht so bald wie erhofft. Doch die Menschheit wurde nicht in Unwissenheit gelassen. Immer wieder offenbarte Gott seinen Propheten Einzelheiten über den erwarteten Erlöser. Bis ins Detail schilderte er die Umstände seiner Geburt, den Zeitpunkt und den Geburtsort. Er beschrieb ihnen auch seine Lebensweise und seinen Auftrag bis hin zu seinem Tod, seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt. Nicht jeder Prophet bekam alle Informationen, sie sagten immer nur einzelne Aspekte voraus. Doch diese Puzzleteilchen ergaben ein ganzes Bild. So blieb die Sehnsucht nach einem Erlöser lebendig.

Es wäre sehr interessant, den Erlösungsplan nur anhand dieser Prophezeiungen zu studieren, doch das würde uns heute etwas überfordern. Solch eine „Wanderung“ ist für Fortgeschrittene oder Geübte eine echte Herausforderung. Wir dagegen werden uns den Erlösungsplan einfach und mit verschiedenen Bibeltexten untermauert, erklären lassen.

Der Retter wird geboren

Jesus, selbst heiliger Gott, regierte mit seinem Vater alle Welten. Die Bibel beschreibt uns auf den hinteren Seiten, dass durch ihn unser Planet mit allem was auf ihm lebt, geschaffen wurde. Er war im Auftrag seines Vaters der große und weise Schöpfer des Himmels und der Erde. Er war es, der den Menschen so kunstvoll gestaltete und ein herrliches Heim für ihn pflanzte. Verständlicherweise hatte er die größten Beziehungen zu seinen Geschöpfen, ja er liebte Adam und Eva von ganzem Herzen.

Nun hatten sie gesündigt, was ihm große Schmerzen bereitete. Er wusste um die Folgen, doch er wollte seine geliebten Geschöpfe nicht aufgeben. Jesus konnte nicht zuschauen, wie seine geliebten Menschen dem Tod hoffnungslos ausgeliefert waren. Er selbst wollte ihr Bürge sein, er wollte die Verantwortung für ihre Schuld übernehmen. Er wollte für die Menschen sterben und sein wertvolles sündloses Leben für die Menschheit opfern, damit wir eine Chance haben, einst wieder wie Adam und Eva im Paradies in ungetrübter Gemeinschaft mit Gott zu leben. Welch eine Liebe!

Zusammen mit seinem Vater hat er ja schon vor der Erschaffung von unserer Erde einen Plan gefasst, um der Menschheit eine weitere Chance zu geben. Er, der erhabene Sohn Gottes, wollte Mensch werden, ein Mensch, wie Sie und ich. Er wollte die himmlischen Höfe und die unmittelbare Gegenwart seines Vaters verlassen und wollte uns Menschen gleich werden. Welch eine Erniedrigung! Ein Prophet sagte voraus:

„Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel (Gott mit uns) geben.“ Jesaja 7,14

Wie jeder Mensch wollte er geboren werden und den natürlichen Lebensweg gehen. Jesus wollte sich voll und ganz mit uns Menschen identifizieren können und am eigenen Leibe spüren, wie hart das Leben ist und welche Kämpfe wir auszufechten haben.

Er wollte ein ganz und gar menschliches Leben führen. Doch mit einem Unterschied: er wollte sündlos bleiben. Unter den gleichen Bedingungen, wie wir sie haben, wollte er ein reines, untadeliges Leben führen. Damit wollte er Satans Behauptung entkräften, dass Gottes Gebote für uns Menschen unmöglich zu halten seien.

Das Risiko

Das war eine große Herausforderung. Doch es war für die Erlösung der Menschheit äußerst wichtig, selbst ohne Sünde zu bleiben. Als Mensch sollte er keine größeren Kräfte als wir besitzen, er würde ja völlig und ganz Mensch sein. Nur durch die totale Abhängigkeit von der göttlichen Kraft, die auch uns zusteht, ist solch ein Leben möglich. Wenn Jesus nur einmal der Versuchung nachgegeben hätte, wäre er selbst zum Sünder geworden, der unter dem Urteil Gottes gestanden und selbst Erlösung gebraucht hätte. Er hätte uns nie erlösen können und sein eigenes Leben für alle Ewigkeit verloren. Es gäbe keinen sündlosen Stellvertreter mehr, der für die schuldigen Menschen sterben und sein sündloses Leben uns anrechnen würde.

Ja, es war nicht ohne Risiko, diesen Plan auszuführen. Es bedeutete selbst für den König des Weltalls, Gott dem Vater, einen Kampf, dass sein geliebter Sohn als Bürge für die schuldige Menschheit eintreten wollte. Wie ein menschlicher Vater bei dem Gedanken an die künftigen Gefahren im Leben seines neugeborenen Sohnes erschaudert, so fiel es Gott nicht leicht, diesem Plan zuzustimmen. Und dennoch tat er es, aus Liebe zu uns.

„Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Johannes 3,16

Welch ein Geheimnis ist die Erlösung! Gott, der Vater und sein Sohn lieben eine Welt, die ihn nicht liebt. Immer wieder werden die himmlischen Wesen und gläubige Menschen das Geheimnis jener unfassbaren Liebe staunend zu begreifen suchen.

Jesus leidet und stirbt

Das Herzstück der Erlösungsmaßnahme ist Jesu Tod, stellvertretend für die sündige Menschheit. So grausam und schrecklich es auch ist, doch ohne den Kreuzestod würde sein sündloses Leben nur als Vorbild für die nachfolgenden Generationen gedient haben. Er wäre ein mahnendes, uns anklagendes Beispiel gewesen. Wir könnten durch solch ein Vorbild nie wirklich gerettet werden.

Darum nahm Jesus die Sünden der Menschheit auf sich, was eine fast unerträgliche Last für ihn war. Er kannte bis dahin keine Sünde und litt schwer an der gebrochenen Beziehung zu seinem himmlischen Vater. In größter Seelenqual und verlassen von Gott erlitt er willig den Tod, die Folge der Sünde. Für dich und für mich brachte er dieses Opfer – aus Liebe. Er hätte es auch getan, wenn es nur einen Menschen zu retten bedürfe. So unvorstellbar groß ist seine Liebe.

Es ist interessant, eine der ausführlichsten Prophezeiungen im Buch des Jesaja, Kapitel 53 zu lesen.

Triumph über Tod und Grab

In den letzten Prophezeiungen des vorhin erwähnten Kapitels beschreibt Jesaja, dass mit dem Tod Jesu nicht alles aus ist. Nachdem er die Macht der Sünde überwunden hat, kann er auch über Tod und Grab triumphieren. Wenn Jesus nicht wieder von den Toten auferstanden wäre, dann wäre sein Anspruch auf persönliche Sündlosigkeit als auch der, den Menschen Erlösung zu ermöglichen, für immer in Frage gestellt. Er wäre dann das größte Rätsel der Menschheitsgeschichte. So durfte es nicht dabei bleiben. Er sollte nicht im Grab verwesen, sondern wieder lebendig werden. Seine Auferstehung ist der Beweis dafür, dass die Macht Satans besiegt und er die Erlösung wirklich bewirkt hat. Ein Text im Neuen Testament sagt:

„Ist aber Christus nicht auferweckt worden, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden.“ 1.Korinther 15,17

Wir werden es später sehen, die Geschichte bestätigt uns die Erfüllung dieses Planes

Wieder daheim!

Nachdem Jesus seinen Auftrag beendet hat, kehrte er wieder zurück zu seinem himmlischen Vater. Wie herrlich muss das für ihn gewesen sein, endlich wieder daheim! In den himmlischen Höfen wird ihm Anbetung und Ehre erwiesen, der Vater hat sein Werk angenommen. Der ganze Himmel ist voller Freude und Staunen: das Erlösungswerk ist vollbracht, endlich gibt es einen Weg, die Menschen zu retten.

Nun wird unserem Heiland eine neue Stellung im Himmel zugewiesen, er dient jetzt als Vermittler zwischen seinem Vater und den Menschen. Die Bibel nennt sein Amt Hoherpriester.

Jesu Dienst im Himmel

„Die Brautwerbung“

Wir wollen uns jetzt noch ein wenig mit diesem Mittlerdienst beschäftigen, um eine Vorstellung von dem zu bekommen, was Jesus bis heute für die Menschen, und damit für jeden von uns persönlich tut. Gegen Ende seines Erdenlebens hat Jesus seinen Freunden gesagt:

„Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Johannes 12,32

Jesus wirbt um uns. Wir haben schon gesehen, welch eine erstaunlich große Liebe er uns entgegenbringt, dass er uns einen Weg gebahnt hat, um der Macht der Sünde und ihren Folgen nicht hoffnungslos ausgeliefert zu sein. Über solch eine tiefe Liebe kann man nur staunen. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass er um unsere Gegenliebe, unsere Freundschaft wirbt. Wir spüren es nicht immer so deutlich, dazu ist Jesus zu höflich, um sich uns aufzudrängen, aber er geht uns nach, und durch verschiedene Situationen wirbt er um unsere Aufmerksamkeit. Man kann das mit folgender Geschichte veranschaulichen:

Da war ein junger Mann, dem ein Mädchen so wertvoll geworden war, dass er es liebte. Mit zarter Liebe umwarb er es sacht mit Liebesbeweisen, doch ihr Herz erreichte er leider nicht. Es wollte nicht und baute eine dicke Mauer um sich. Der junge Mann liebte weiter, nicht aufdringlich oder egoistisch; ganz feinfühlend und behutsam ging er vor. Er sah einen wertvollen Kern in diesem nach außen hin so unscheinbaren Mädchen. Er wollte es glücklich machen, ihre Freundschaft gewinnen und gern sein Leben mit ihr teilen.

Eines Tages wohnte sie wegen ihrer Ausbildung im Hause seiner Eltern, in seiner Familie. Oft musste sie nun notgedrungen diesen jungen Mann sehen und spüren, dass sie von ihm geliebt wird. Doch sie wehrte sich dagegen und verhärtete ihr Herz, sie wollte einfach nicht in eine Freundschaft einwilligen. Aber da sie Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr diesen jungen Mann sah, der sie innig liebte, der geduldig wartete und so manches für sie tat, wurde auch ihr Herz weich. Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo sie sich dessen nicht mehr erwehren konnte, die geduldige und beharrliche Liebe dieses Mannes zu sehen und zu spüren. Nach vier langen Jahren antwortete sie mit zarter Gegenliebe. Diese Liebe war anfangs sehr zaghaft und klein, wurde aber bald voller Vertrauen, denn seine Liebe war sehr tief.

Sie meinen, so etwas gibt es nicht? Doch, es ist unsere Geschichte, die Liebesgeschichte von Sebastian und Daniela Reich. Nun wollten wir gerne viel Zeit miteinander verbringen, unsere Gedanken und Gefühle austauschen und den anderen besser kennen lernen. Intellektuell wussten wir schon viel voneinander, lebten wir doch im selben Haushalt. Wir kannten so manche Eigenart des anderen, doch war es eine wunderschöne und spannende Entdeckung, die Gedanken, Gefühle und besonders die Beweggründe zu verschiedenen Handlungen kennen zu lernen. Unsere Freundschaft wurde immer inniger und der Wunsch nach einem gemeinsamen Leben immer stärker.

Nach weiteren zwei Jahren heirateten wir. So nach und nach verschmolz unser beider Leben zu einem, unsere Wünsche und Vorstellungen verschmelzen mit zunehmenden Ehejahren miteinander. Nicht dass wir immer einer Meinung sind, so manches Mal muss die Frau sich den Entscheidungen des Mannes unterordnen, der Mann wiederum das Familienwohlüber seine eigenen Interessen setzen. Doch wir haben die gleichen Ziele vor Augen, ziehen an einem Strang und trotz manchmaliger Schwierigkeiten wächst unsere Liebe zueinander immer mehr.

Die Einladung

Was geschieht nun mit einem Menschen, der auf das Werben unseres Heilandes eingeht? Er wird auf einmal erkennen, wie sündig er im Gegensatz zu Jesus ist. So schlecht wie jetzt hat er sich noch nie wahrgenommen. Das braucht ihn aber nicht zu entmutigen. Der Heiland lädt ihn ein:

„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken“ Matthäus 11,28

Was will er damit sagen? So wie wir sind und wie wir uns fühlen, dürfen wir mit unserem Heiland reden und ihm alles sagen. Wir brauchen uns nicht zu schämen, er weiß es ja ohnehin schon. Da er selbst als Mensch auf dieser Erde lebte, kann er uns gut verstehen und mit uns mitfühlen. Und da er uns von Herzen liebt, will er uns helfen und er kann es auch tatsächlich. Nur er hat das Recht dazu, weil er für uns Menschen den Himmel verlassen hat, auf unserer Erde lebte und stellvertretend für uns starb.

Die erste Verabredung

Durch seinen Sieg am Kreuz über Sünde und Tod kann er uns wieder freisprechen. Er kann uns also unsere Sünden vergeben, ja er sehnt sich sogar danach. So lädt er uns herzlich ein, mit all unserer Schuld zu ihm zu kommen, er will uns davon befreien. Einer seiner besten Freunde bestätigte das und ermutigte die ersten Christen, indem er sagte:

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ 1.Johannes 1,9

„Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.“ 1.Johannes 2,1

Wie schön ist das! Jesus wirbt um unsere Freundschaft. Und wenn wir zu ihm kommen, und in seiner Gegenwart unsere Unzulänglichkeiten erkennen, macht er uns erst einmal frei von unserer Schuld und vergibt uns unsere Versagen. Das ist ein glücklicher Moment. Und von diesem Augenblick an zählt Jesus uns zu seinen Kindern.

Aber er will gebeten werden. Verständlicherweise kann er nicht einfach über uns entscheiden und tut nichts ohne unseren ausdrücklichen Wunsch. Viele werden hier einen Kampf in ihren Herzen spüren, denn Satan will uns verständlicherweise davon abhalten. Er lässt es uns sehr demütigend erscheinen, diese Bitte zu äußern. In der Tat widerspricht das unserem menschlichen Stolz, doch der Herzensfrieden und die Freude danach wiegen alles wieder auf. Das wird der Beginn einer erfüllenden Freundschaft sein.

Noch etwas, das Schuldbekenntnis und die Vergebung sind eine ganz persönliche Sache zwischen Ihnen und Ihrem Erlöser. Kein Mensch hat das Recht, die Beichte abzunehmen, geschweige denn Vergebung zuzusichern, da kein Priester uns je so liebte und stellvertretend für uns gestorben ist.

Da uns dieser Schritt des Schuldeingestehens oft so schwer fällt, ohne ihn aber keine Erlösung möglich ist (wovon auch?), schrieb der durch seine Weisheit berühmt gewordene König Salomo einmal:

„Wer seine Schuld verheimlicht, dem wird es nicht gelingen. Wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“ Sprüche 28,13

Liebe verändert

Erinnern Sie sich noch an die Liebesgeschichte von vorhin? Sie verdeutlicht uns noch mehr. Sie beschreibt nicht nur die Brautwerbung, sondern auch die Veränderung im Leben der Braut. Oder meinen Sie, dass die gleiche Daniela, wie zu Beginn unserer Geschichte, nach den langen sechs Jahren schließlich geheiratet hat? Wenn Sie diesbezüglich Zweifel haben, dürfen Sie gerne mit ihrem Mann sprechen. Ihr Herz hat sich doch völlig verändert. Aus Ablehnung wurde Liebe, und Liebe ist eine wunderschöne und erstaunlich starke Triebkraft, dem Partner die Wünsche von den Augen abzulesen und zu erfüllen, Gewohnheiten und Hobbys aufzugeben, die der andere nicht mag und in dem Glück des anderen seine höchste Erfüllung zu finden. Und wenn diese Liebe nicht irgendwann einschläft, verändert sie beide Ehepartner ihr ganzes Leben hindurch und verwebt sie innig miteinander. Das Glück dieser Ehen ist unbeschreiblich, jedoch nicht unerreichbar.

Und diesen Prozess können wir auch auf die Beziehung mit Jesus, unserem Heiland übertragen. Die Freundschaft mit ihm verändert uns. Je mehr wir ihn lieben und unser Leben ihm anvertrauen, umso mehr werden wir durch ihn verändert.

Die Bibel nennt das Heiligung. Jesus heiligt uns. Nun, wir werden nicht zu Heiligen im herkömmlichen Sinne. Das schreckt uns sicher ab, so wollen wir doch nicht leben! Doch wenn die Freundschaft mit unserem Heiland uns verändert, dann in der Weise, dass wir nach und nach lernen, unseres Standes als Gotteskind, mit Jesus als unserem großen Bruder, würdig zu leben und uns dabei wirklich wohl zu fühlen. Es ist kein aufgedrücktes, zwanghaftes neues Leben, sondern unser eigenes Bedürfnis, Gewohnheiten aufzugeben, die Jesus kränken oder Charakterschwächen unter Kontrolle zu bekommen, mit denen wir andere und uns selbst verletzen.

Nun gibt es jedoch keinen Katalog, was man tun oder lassen sollte. Unser Freund Jesus wird es jedem persönlich zeigen, und auch nicht alles auf einmal, da wir sonst frustriert werden könnten. Doch als Anhaltspunkt oder Richtlinie malt die Bibel uns ein Bild von einer köstlichen Frucht vor Augen. Es lohnt sich, sie in uns zu kultivieren.

„Die Frucht … aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“ Galater 5,22

Wir werden sehr bald, ja wirklich schon am Anfang unserer Freundschaft seine sanfte Stimme hören, die uns sagt, wie sehr er uns liebt und uns ermutigt, Gewohnheiten oder Handlungsmuster aufzugeben, die uns nicht gut tun. Es ist gewöhnlich keine akustisch wahrnehmbare Stimme, sondern ein klarer Eindruck auf unser Gewissen, ein Gedanke, von dem wir wissen, dass er nicht aus uns selbst kommt und den wir nicht so schnell wieder loslassen können.

Und so werden wir nach und nach, diesen Impulsen folgend, geheiligt. Das gehört auch zu den Aufgaben, die Jesus jetzt für uns tut. Doch dazu braucht er unsere Einwilligung und Kooperation. Er wird nie etwas gegen unseren Willen tun, darüber seien Sie ganz unbesorgt. Er wartet still, doch voller Sehnsucht darauf, dass wir seine Liebe erwidern und bereit sind, die Dinge zu tun, die er uns ans Herz legt. Wie das praktisch aussehen kann, werden wir bald an einigen, aus dem Leben gegriffenen Erfahrungen sehen.

Doch warum will uns Jesus verändern? Sind wir nicht gut genug? Nun, im Vergleich zu Adam und Eva, als sie geschaffen wurden, also wie Gott sich die Menschen gedacht hat, schneiden wir nicht gerade gut ab. Und wenn wir uns Jesu tadelloses Erdenleben vorstellen, dann merken wir schon einen Unterschied zu uns. Jeder kennt doch bestimmt ein paar verbesserungswürdige Gewohnheiten und Charakterzüge von sich. Oft rechtfertigen wir uns sinngemäß folgendermaßen: „Na und? Das bin eben ich, das gehört doch dazu! Außerdem ist alles relativ, was als schlecht oder gut beurteilt wird. Die Psychologie kennt dieses Böse und Gut nicht.“

Aber mal vorsichtig gefragt und ehrlich gesagt, sind wir wirklich glücklich? Macht es uns denn Freude, zum Beispiel einen Kopf mit Ärger oder einen Bauch voller Wut zu haben, so gerechtfertigt es auch sein mag? Sind wir dann in diesen Situationen wirklich frei und glücklich, oder eher Sklaven unserer Gefühle und Emotionen?

Echte Befreiung im Umgang mit Gefühlen

Wir sind zwar sündige Menschen, doch wir müssen nicht sündigen. Unser Heiland hat den Sieg über die Sünde errungen, und seine Aufgabe ist es nun, uns zum Sieg zu verhelfen. Das möchte er so gern, doch leider ist es für die meisten Menschen nur zu normal, zu sündigen, dass sie gar nicht darüber siegen wollen. Ist es nicht gemein, dass Satan uns glauben lässt, es sei alles in Ordnung, nur damit wir sicher dem Tode geweiht sind?

Leider wissen viele überhaupt nichts davon, dass wir nicht länger von unseren Gefühlen, die in uns hochkommen oder unserem Willen beherrscht werden müssen, obwohl es so deutlich in der Bibel steht.

Sollen wir nun unseren Frust, Ärger, Neid oder tiefe Verletzungen einfach runterschlucken und so tun, als sei nichts gewesen? Nein, niemals! Das würde uns mit Sicherheit krank machen. Wir können diese Gefühle einfach zu Jesus bringen, er befreit uns gern davon. Er tut es wirklich gründlich, wenn wir nur loslassen. Es bleibt absolut nichts in uns zurück, was uns seelischen Schaden zufügen könnte.

Doch wie macht man das, wenn man Jesus seine Verletzungen oder Gefühle geben möchte, um nicht anderen und sich selbst zu schaden? Eine kleine Erfahrung mag das illustrieren:

Unsere beiden großen Jungs sind drei und vier Jahre alt. Da sie zurzeit fast gleich groß sind, nehmen sie vom selben Pulloverstapel, teilen sich geschwisterlich die Unterwäsche und die Nachtsachen. Da Samuel etwas längere Beine als Simeon hat, sind Hosen und Strumpfhosen jedem Kind zugeordnet. Das mögen Sie vielleicht etwas komisch finden, aber es klappt gut und gibt kaum Streit um Lieblingssachen. Im Gegenteil, sie lernen, mehr an den anderen als an sich zu denken.

Doch es gibt auch wenige Ausnahmen. Einmal gab es im Schrank nur noch zwei Paar Nachtsachen, für jedes Kind eins. Als ich sie den Kinder hinlegte, war mir sofort bewusst, dass es Schwierigkeiten geben würde. Die blauen Nachtsachen mit der Eisenbahn waren die absoluten Lieblingssachen beider. Gewöhnlich achten wir darauf, dass sie sie beide abwechselnd anziehen können. Doch wussten wir diesmal nicht mehr, wer sie das letzte Mal anhatte. Mir als Mutter fiel es schwer, eine Entscheidung zu treffen, da immer ein Kind enttäuscht sein würde. So kam mir die Idee, die Entscheidung in Verbindung mit einer Charakterschwäche unserer beiden Jungs ausfallen zu lassen, die Bummeln und Träumen heißt. Also sagte ich unseren Jungs, dass derjenige sich zuerst Nachtsachen raussuchen dürfe, der sich zügig auszieht und wäscht. Ob diese Idee nun gerade gut war, weiß ich bis heute nicht.

Sie zogen sich aus und wuschen sich, doch der Jüngere tat es wirklich konzentriert und zügig, während der Ältere jammerte, dass er unbedingt die „Eisenbahnnachtsachen“ haben wolle und dabei nicht gerade schnell vorankam. Als Simeon nun fertig war, suchte er sich promt die „Eisenbahnnachtsachen“ aus. Samuel war enttäuscht und wurde trotzig und brachte seinen Trotz auch stark zum Ausdruck. Verständlicherweise war er in diesen Emotionen gefangen.

Doch ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Gott Sieger über diese Gefühle ist und uns davon befreien möchte. So bin ich mit ihm in die Stube gegangen und habe Verständnis gezeigt. In einem kurzen Gespräch haben wir seine Gefühle beschrieben. Dann ermutigte ich ihn, das alles unserem Heiland zu sagen, der ihn davon befreien und wieder glücklich machen kann.

Dann betete Samuel sinngemäß so: „Lieber Heiland, ich habe einen Trotz, weil ich nicht die Eisenbahnnachtsachen anziehen kann. Ich will sie wirklich haben. Das geht aber nicht, und darum bin ich trotzig. Ich will trotzig sein, denn das ist gemein. Aber ich will auch meiner Mami gehorchen und glücklich sein. Lieber Heiland, ich will trotzig sein und ich will Mami gehorchen, ich will trotzig sein und will glücklich werden. Hilf du mir, dass ich gerne Mami gehorchen möchte, dann werde ich wieder froh. Aber das ist schwer, weil ich immer noch trotzig sein will. Da musst du mir einfach meinen Trotz wegnehmen, ja mache das bitte! Nimm du meinen Trotz weg! Amen.“ Nach diesem Gebet, welches mich tief berührt hat, kam er auf meinen Schoß und strahlte mich an. Mich fest umarmend sagte er: „Danke, Heiland!“

Es ist nur ein banales Beispiel, Samuel konnte die Befreiung erleben, die wir alle erleben können, wenn wir bereit sind, unsere Gefühle loszulassen und abzugeben.

Echte Befreiung vom Zwang zum Sündigen

Manchmal fühlen wir uns gedrungen, Dinge zu tun, von denen wir genau wissen, dass sie falsch sind. Die Umstände scheinen so zu sein, dass wir gezwungen werden, zu sündigen. Doch die gute Nachricht lautet: Wenn in unserem Alltag Versuchungen an uns herantreten, müssen wir nicht zwangsläufig einwilligen, so zwingend es auch scheinen mag. Es gibt so schöne Versprechen dafür in Gottes Wort.

Wir sind in einem gläubigen Elternhaus aufgewachsen und lernten beizeiten, was Gut und Falsch ist, doch lernten wir nicht, wie man siegen kann. Wir wussten, dass Jesus all unsere Schuld vergibt, aber wie wir mit seiner Kraft Fehler vermeiden können, war uns unbekannt und die meisten Christen wissen davon nichts. Außerdem wussten wir bis dahin kaum, wie Gott ganz persönlich zu uns sprechen kann. Wir hatten einfach wenig Erfahrung im christlichen Leben.

Eines Tages entdeckten wir folgende interessante Bibeltexte:

„Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen, so dass ihr sie ertragen könnt.“ 1.Korinther 10,13

„Aber der Herr ist treu; er wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.“ 2.Thessalonicher 3,3

„Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch; naht euch zu Gott, so naht er sich zu euch!“ Jakobus 4,7.8

Wie gut ist doch unser Heiland zu uns. Er fordert in seinen Geboten nicht einfach ein tadelloses Leben von uns, sondern er hilft uns ganz praktisch und entscheidend dabei. Ohne seine Hilfe würden wir es tatsächlich niemals schaffen. Das Schöne ist, dass er uns Wege aus der Versuchung zeigt oder wie wir mit ihr umgehen können, damit wir nicht zu sündigen brauchen. Gott schränkt die Versuchung auch ein, sie ist nie zu groß, so dass wir sie nicht bestehen könnten. Welch wunderbare Verheißung! Gott stärkt und bewahrt uns. Genau genommen gibt es hiermit keine Entschuldigung für das Sündigen mehr.

Nun waren wir sehr motiviert, Jesus beim Wort zu nehmen und es auszuprobieren. Eine Gelegenheit ließ nicht lange auf sich warten. Daniela wird uns nun solch eine kleine Erfahrung berichten, aus der wir erkennen können, wie Jesus mit uns kommuniziert und uns vor dem Sündigen bewahren möchte.

Es war zu der Zeit, als wir noch am Rande von Pirna wohnten. Pirna ist eine Stadt im Elbtal bei Dresden. Jeden Tag musste ich schon früh am Morgen nach Dresden zur Arbeit fahren. Ich fuhr zuerst mit dem Bus in die Stadt, ging zum Bahnhof, fuhr mit der Bahn weiter, machte dann einen Dauerlauf, um den Bus noch zu erreichen und flitzte letztendlich noch zur Straßenbahn. Es war nicht gerade ein gemütlicher Arbeitsweg, den Frühsport hatte ich also gratis.

Doch am Morgen ging das alles noch, abends war ich dann geschafft von der langen Arbeit und der „Reisestress“ war einfach anstrengend und lästig. So manches Mal wünschte ich mir, doch gemütlich von einem Verkehrsmittel zum anderen laufen zu können, besonders in der Schwangerschaft. Doch das würde bedeuten, dass in Pirna kein Bus mehr in die Richtung unserer Siedlung fahren würde. Und etwa fünf Kilometer nach den Anstrengungen des Tages noch zu Fuß zu gehen, dazu bergauf, wollte ich dann doch nicht. Außerdem warteten zu Hause noch so manche Haushaltsaufgaben auf mich, die ich irgendwie noch erledigen musste, bevor ich müde und geschafft ins Bett sank, um nach wenigen Stunden wieder aufzustehen und von Neuem durch den Tag zu flitzen.

Sie können sich sicher vorstellen, wie unruhig ich innerlich wurde, als der Feierabend sich näherte, und wie ich dann sofort losrannte, sobald alle Aufgaben übergeben worden waren. Ich hatte wirklich keine Zeit, die Verkehrsregeln zu beachten. Rote Ampeln ignorierte ich, zumindest in kleineren Straßen. Andere machten es ja ebenso. Es ist schon erstaunlich, wie viele Menschen dort in Dresden so durch die Straßen hetzten, sicherlich hatten sie ähnliche Probleme wie ich. Mein einziges Ziel war, nur schnell nach Hause, kein einziges Verkehrsmittel verpassen.

Doch eines Tages überführte mich mein Gewissen, dass es Unrecht sei, über rote Ampeln zu rennen, auch wenn ich zuvor „gut“ geschaut habe. Mit meinem werdenden Kind im Bauch, machte ich mir gerade Gedanken über Erziehungsmethoden. Ja, mit einem Kind würde ich so etwas Gewagtes nicht tun, ich wollte doch ein Vorbild sein. Doch jetzt fiel mir auf, dass die Fußgänger Dresdens nicht nur aus Erwachsenen bestanden. Könnte es etwa sein, dass ich diesen Kindern durch mein Verhalten vermittle, dass es ganz okay ist, bei Rot über die Straße zu rennen?

Da entbrannte ein Kampf in meinem Herzen. Sie verstehen, was ich meine. Ich wollte unbedingt schnell nach Hause und den weiten Fußmarsch vermeiden, falls ich irgendeinen Bus oder eine Bahn verpassen sollte. Das Risiko war ohnehin schon groß genug. Andererseits folge ich gern der Stimme meines Gewissens, da ich schon zu oft erfahren habe, dass es gut so ist. Es könnte ja sein, dass Gott zu mir durch mein Gewissen gesprochen hat, und ihm wollte ich doch unbedingt gehorchen. Ja, es wurde mir ganz deutlich, dass es Sünde ist, rote Ampeln zu ignorieren. Nun sah ich mich vor einer Herausforderung. Ich habe ja gerade erst die oben abgedruckten Texte in meiner Bibel gefunden und wollte doch wirklich ausprobieren, ob sie auch stimmen. Doch der Preis dafür schien mir zu hoch. Ich wollte ohne Verzögerung nur schnell nach Hause.

Während mir all diese Gedanken durch den Kopf gingen, konnte ich unmöglich einen Ausdauerlauf machen, so lief ich nur zügig. Bald kam ich an eine Ampel, sie war natürlich rot, während der Bus bei Grün über die Kreuzung fuhr. Ich konnte einfach nicht widerstehen und rannte hinterher. Ich schaffte zwar noch den Bus, doch war mir sehr mulmig zumute. Während der Busfahrt hatte ich Zeit zum Nachdenken. War die Versuchung wirklich so groß gewesen, dass ich sündigen musste? Nein, eigentlich nicht. Ich hatte mich nur schon entschieden und Gottes Variante gar nicht erst probiert. Nein, ich habe mich gedanklich nicht an ihn geklammert und mich, koste was es wolle, für das Richtige entschieden. Ich hatte kein Vertrauen zu Gott, habe ihm nicht zugetraut, mich rechtzeitig nach Hause zu bringen. Ich wollte es besser wissen als unser alles lenkender Gott. So konnte ich in der Versuchung nicht widerstehen. Traurig bat ich um Vergebung.

Am nächsten Tag machte mich Gott darauf aufmerksam, dass es seiner Erziehungsmethode entspricht, mich noch einmal in ähnliche Umstände kommen zu lassen, damit ich mich üben kann. Also würde ich sicherlich wieder vor einer roten Ampel stehen, den Bus schon fahren sehen und … Als ich über mein hartes Los stöhnen wollte, war es mir, als sollte ich aufhören zu klagen und stattdessen mich schon jetzt entscheiden, wie ich dann handeln möchte. Ach, Gott ist doch ein guter Lehrmeister, ihm lag es wirklich an mir. Ich durfte mich also jetzt in aller Ruhe entscheiden, was ich heute Abend tun werde. Nach dem gestrigen Versagen wollte ich heute auf die Stimme meines Gewissens hören.

Der Tag verging und ich machte mich wieder auf den Weg nach Hause. Ich wollte losrennen, doch mein Gewissen sagte mir, dass es meinem Baby und mir besser tun würde, wenn ich gemütlich laufen würde. Der Eindruck war so klar, dass ich wusste, dass Gott es war, der zu mir sprach. Heute wollte ich unbedingt lernwillig sein und seiner Stimme gehorchen. Also ging ich langsam los, doch unmerklich beschleunigte ich mein Tempo, worauf mich Gott freundlich aufmerksam machte. Ich versuchte wieder, etwas gemütlicher meines Weges zu gehen. Doch es war gar nicht so einfach, entgegen meiner Gewohnheit zu handeln.

Bald sah ich die Kreuzung, wo ich gestern so versagt hatte. Die Ampel leuchtete grün, ich hatte aber noch ein Stück Weg vor mir. Am liebsten wäre ich losgerannt, ich hätte es bestimmt geschafft, und diesmal bei Grün! Doch in meinem Gewissen flüsterte eine Stimme, nicht zu rennen, sondern gemütlich zu laufen. So tat ich es, auch wenn es in meinen Gedanken nicht mehr so gemütlich zuging. Doch ich erinnerte mich an die Bibeltexte, sie motivierten mich; und mit dem Gedanken, dass es nicht zu schwer für mich werden wird, ging ich weiter – bis zur Ampel, deren leuchtendes Rot verkündete, dass man lieber stehen bleiben sollte. Ich tat es, sah den Bus hinter der Kreuzung stehen und wartete ungeduldig auf Grün. Sobald es aufleuchtete, rannte ich los, doch der Bus fuhr vor meiner Nase ab.

Verwirrt stand ich nun im Bushäuschen. Meine Augen füllten sich mit Tränen. Hatte Gott mich verlassen? Wusste er nicht, was für Unannehmlichkeiten das für mich bedeutete? Warum hatte er meinen Gehorsam nicht belohnt? Doch in meiner Enttäuschung fühlte ich mich bald getröstet. Ich wollte meinen Glauben nicht aufgeben, dass Gott doch noch alles gut führen kann. Die reichlich zwanzig Minuten Wartezeit nutzte ich zu einem stillen Zwiegespräch mit ihm. Das machte mich innerlich so wohltuend ruhig und ich fühlte mich in Gottes Hand geborgen.

Nach der Busfahrt ging ich zum Bahnhof, auch hier würde ich nun lange warten müssen. Doch zu meiner Verwunderung war der Bahnsteig überfüllt mit Menschen, die nicht gerade bester Laune waren. Bald erfuhr ich, dass schon etliche Stunden kein Zug gefahren sei. Als ich noch so überlegte, was ich tun könnte, wurde durch die Lautsprecher verkündet, dass in wenigen Minuten ein Sonderzug einfahren werde, der auch in Pirna halten würde. Wie froh war ich über diese Lösung! Als ich etwas später im Zug saß, fiel mir auf, dass ich überhaupt nicht schneller gewesen wäre, wenn ich bei Rot über die Straße gerannt wäre oder irgendwelche Dauerläufe gemacht hätte. Gott hat wirklich alles gut im Griff, Vertrauen lohnt sich. Müde, aber glücklich kam ich zu Hause an.

Doch mit diesem einen Erlebnis war meine Gewohnheit, die Ampeln zu ignorieren, nicht gebrochen. Noch einige Tage nahm Gott mich in seine Schule, bis ich ihm völlig und kindlich vertraute.

Immer wieder Vergebung

Nun kommt es aber doch immer wieder mal vor, dass wir unsere Wünsche und Bedürfnisse über Gottes Anweisungen stellen. Manchmal tappen wir auch versehentlich in eine Falle und tun Dinge, die wir bald wieder bereuen. Wir sündigen also und machen unserem Heiland Kummer. Wenn uns das bewußt wird und Leid tut, können wir jederzeit wieder zu Jesus kommen, der uns gern vergibt. Wir haben immer wieder die Chance zu einem Neuanfang.

Der Kreis schließt sich

Nun haben wir viel über den Erlösungsplan erfahren, aber der Höhepunkt kommt erst noch. Gehen wir noch einmal gedanklich zurück in den Garten Eden, wo dieses ganze Dilemma Sünde seinen Anfang nahm.

Als Gott die Menschen schuf, gestaltete er sie so, dass sie ewig, ohne Alterungserscheinungen leben konnten. Gott schuf, um zu leben, nicht um bald wieder zu sterben. Den Tod kündigte er als Folge des Ungehorsams an. Er ist die natürliche Folge der Sünde. Leider wählten die Menschen durch ihren Zweifel an der Richtigkeit der Anweisungen Gottes Satan zu ihrem Herrscher. Alterung und Tod waren die Folge – ein Leben ohne Sinn. Doch Jesus, unserem Heiland tat das so leid, dass er einen Weg schuf, uns vor dem ewigen Tod zu erretten.

Eines Tages, und dieser Tag steht schon nahe vor der Tür, wird Jesus noch einmal zur Erde kommen. Majestätisch und für alle Menschen sichtbar, wird er als König in den Wolken des Himmels erscheinen und alle Menschen zu sich ziehen, die das Erlösungsangebot angenommen haben. Alle, die eine echte Freundschaft mit ihm eingegangen sind, ihre Versagen bekannt und vergeben bekommen haben, werden dann vor Freude jubeln, Jesus, ihren geliebten Retter zu sehen. Welch eine Freude wird das sein!

Sie dürfen von nun ab in den himmlischen Welten wohnen und auf ewig bei ihrem Heiland sein. Sie werden wie Adam und Eva einst im Paradies glücklich und zufrieden sein. Keine Tränen werden mehr geweint. Trauer, Schmerz und Leid sind für immer vorbei. Voller Freude und Dankbarkeit können sie mit ihrem Erlöser zusammen sein. Dort schließt sich der Kreis.

Die Sünde wird endgültig beseitigt und besiegt

Endlich im Himmel angekommen, wird Gericht gehalten. Es ist kein gewöhnliches Gericht, sondern wir werden Einblick in die Lebensberichte aller bekommen, die nicht gerettet wurden. Alle werden dadurch Gottes Entscheidung anerkennen. Kein Zweifel und kein Argwohn, keine Trauer und kein Schmerz verbleiben in unseren Herzen. Allen himmlischen Wesen und auch allen Menschen wird klar sein, dass Gott gerecht und heilig und sein Gesetz unantastbar ist.

Satan wird als Lügner und Rebell entlarvt. Er, seine Dämonen und alle Menschen, die sich nicht für Jesus Christus entschieden haben, werden endgültig vernichtet. So traurig diese Tatsache auch ist, so notwendig ist sie auch. Keine Spur von Sünde darf mehr verbleiben. Hier wird das Sündenproblem endgültig gelöst.

Großer Gott, ich möchte dich verstehen

Nachdem wir dieses Kapitel gelesen haben, ist unser Kopf ganz schön schwer. Es war sehr viel und wir brauchen erst ein wenig Zeit, um all das Gelesene zu verdauen.

Doch es ist erstaunlich, welch ein Kampf sich hinter den Kulissen abspielt. Satan kämpft um uns, er beansprucht uns als sein Eigentum. Und Jesus wirbt um uns, er will uns vor dem endgültigen Tod bewahren. Das haben wir noch nie so gesehen. Das war uns einfach bis jetzt nicht bewusst.

Danke, Jesus, für deine Liebe!

Zusammenfassung

Jesus als unser Schöpfer, liebte die Menschen so sehr, dass er sie nicht einfach den Folgen der Sünde überlassen wollte.

Darum verließ er die himmlischen Welten, wurde ein Mensch wie wir und lebte ein ganz menschliches Leben.

Doch mit einem Unterschied: er sündigte nicht. Frei von aller Schuld nahm er die Schuld der ganzen Menschheit auf sich und starb stellvertretend für sie.

Er besiegte Satan, triumphierte über Tod und Grab und kehrte zu seinen Vater in den Himmel zurück. Seinen Dienst auf Erden hatte er erfolgreich beendet.

Im Himmel führt er nun den Erlösungsdienst fort. Er wirbt um unsere Freundschaft, vergibt uns unsere Versagen, hilft uns im Kampf mit der Sünde und den vielen Schwierigkeiten, die wir haben.

Durch die tiefe Freundschaft mit Jesus werden wir Menschen verändert. Das ganze Wesen und der Charakter werden dem des Heilandes immer ähnlicher.

Schon bald wird er majestätisch in den Wolken des Himmels für alle sichtbar erscheinen. Die Gräber gehen auf. Alle Menschen aller Zeitalter, die das Rettungsangebot angenommen und eine innige Freundschaft mit Jesus geschlossen haben, werden mit ihm in den Himmel auffahren.

Nach einem Gericht werden Satan und seine Anhänger vernichtet. Die Sünde ist nun endgültig besiegt.

Die Erlösten werden überaus glücklich und dankbar sein. Sie werden für immer bei ihrem Heiland sein dürfen. Schmerz und Leid wird es nie mehr geben. Wie einst Adam und Eva können sie sich eines Lebens voller Erfüllung und Gesundheit erfreuen.