Von Erbsen und Reisig

Es war im Frühsommer. Jeden Nachmittag arbeiteten wir ge­mein­­sam etwas im Garten. Heute mussten wir dringend den Erbsen eine Rankelhilfe geben. Dazu hatten wir bisher noch keine Zeit gefunden. Doch die kleinen Pflänzchen suchten schon nach Halt und schlängelten sich am Boden entlang. So rannten die Jungs immer wieder in den Wald, um Reisig zu holen. Ich steckte dann alles in die Beete und wand die jungen Pflanzen vorsichtig um die Zweige. Später half mir auch Samuel dabei.

Gedankenversunken ging jeder seiner Arbeit nach. Doch irgendwann brach Samuel das Schweigen: „Mami, bin ich aber froh, dass ich keine Erbsenpflanze bin!“ „Wie meinst du das?“ wollte ich wissen. „Na Mama, stell dir doch mal vor, man müsste mich auch so an einen Stock anbinden! Ich bin ja froh, dass ich rennen und toben und alles machen kann, was ich gerade möchte!“ „Ja, das kann ich verstehen“ entgegnete ich, „und dennoch gibt es auch in unserem Leben solch eine Rankelhilfe.“ – „Aber Mama, wie soll denn das gehen? Ich glaube nicht, dass mir so etwas gefallen würde!“ – „Samuel, wärst du damit einverstanden, wenn wir heute abend im Garten Andacht machen und darüber nachdenken würden?“ – „Mama, erzähl es doch gleich jetzt!“ bettelte Samuel. „Ich möchte aber, dass deine Brüder es auch hören können. Momentan sind sie wieder so im Spiel vertieft, dass ich sie nicht stören mag“, erklärte ich. „Aber das darfst du nicht vergessen, Mama!“ – „Nein, mein Spatz, ich habe es fest versprochen. Du kannst mich auch immer wieder daran erinnern“, antwortete ich.

Es wurde Abend. „Stellt euch vor, heute machen wir im Garten bei den Gemüsebeeten Andacht!“ verkündete Samuel seinen Brüdern. Alle waren äußerst gespannt, denn so etwas gibt es bei uns nicht alle Tage. Wir setzten uns ins Gras und sangen erst ein wenig. Dann machten wir einen kleinen Rundgang durch die Beete und schauten, wie alles gedeiht. Zum Schluss kamen wir auch an den Erbsen vorbei, die nun Halt in den Zweigen des Reisigs gefunden hatten. Doch leider war das Nachbarbeet noch nicht mit Reisig bestückt. An diesem einen Nachmittag konnten wir nicht alles schaffen. Es war auch ganz gut so, denn nun konnte ich meine Kinder etwas fragen: „Jungs, welche Erbsen gefallen euch besser, welche wachsen denn besser – die Erbsen mit Reisig oder die anderen?“ Da gab es keine Frage, natürlich die mit den Zweigen. Die anderen lagen ja immer noch am Boden und schlängelten sich ineinander. So machten sie verständlicherweise keinen majestätischen Eindruck auf unsere Jungs.

Nun begannen wir unser Gespräch. Die Kinder verstanden, wie wichtig solche Rankelhilfen für die Pflanzen waren, die sonst gar keine Chance hätten, nach oben zu wachsen. Die jungen Erbsen brauchten Halt, um nicht ihr ganzes Leben kriechend am Erdboden zu verbringen, immer in der Hoffnung, in der Nachbarpflanze, dem Unkraut oder den kleinen Steinchen am Boden Halt zu finden. Und ihnen musste die Richtung gezeigt werden, in der sie wachsen sollten. So waren diese Ruten, die wie eine Einschränkung oder Belastung aussahen, in Wirklichkeit Hilfen in die Freiheit.

„Mama, meinst du etwa, dass unsere Rankelhilfe Gottes Wort ist?“ fragte Samuel. „Ja, in der Bibel steht, was für uns gut ist und wie man lieb ist“, erzählte Simeon. Ja, so ist es wirklich. Ohne die Richtlinien der Heiligen Schrift, wüssten wir nicht, was recht und unrecht ist. Selbst die staatlichen Gesetze, die Moralvorstellungen und Werte unserer Gesellschaft haben ihren Ursprung in dem göttlichen Wort. Zwar sieht es so aus, als würde Gott uns  in unserer Freiheit beschneiden, doch ohne ihn suchen wir vergeblich Halt in unserem Leben. Wir ahnen einfach nicht, wie viel besser wir es mit Christus haben könnten, wie die jungen Pflanzen, die nichtsahnend am Boden entlang kriechen. Wie segensreich ist doch solch ein Halt. Da können sich starke und edle Charaktere entwickeln.

„Und Mama“, ergänzte Samuel, „was ihr Eltern sagt, ist auch wie Gottes Wort, weil wir Gott noch nicht so gut verstehen können, stimmt's?“ Und mit einem Lächeln fügte er noch hinzu: „Da müsst ihr aber immer gut Acht geben, was ihr sagt, damit es wirklich wie Gottes Wort ist.“

So verstanden unsere Kinder einen Hauch der Lektion von den Erbsen und dem Reisig. Weiter darüber nachzudenken, überlassen wir Ihnen.