Seltene BegegnungEs war im März 2006, unser Wald lag tief verschneit. Der Paketdienst weigerte sich verständlicherweise, uns ein Paket zuzustellen. So vereinbarten wir die Zustellung bei unserem nächstgelegenen Nachbarn, dem Bundesforstamt. Da wir zu dieser Zeit kein Fahrzeug besaßen, musste Sebastian mit dem Rad die 5 Kilometer zum Forstamt fahren und irgendwie das sperrige Paket abholen. Als er losfuhr, meinte er, in einer Stunde sei er wieder da. Als die Stunde fast vergangen war, wollte ich mit den Kindern einen Spaziergang machen und unseren Papa abholen. So stiefelten neben mir drei Paar kleine Füßchen durch den Schnee. Und wenn unser Jüngster mit seinem eineinhalben Jahr nicht mehr laufen konnte, durfte er auf den Schlitten. Es war ein schöner Spaziergang, doch unser Papa kam nicht. So weit wir auch liefen, wir konnten ihn einfach noch nicht sehen. Da ich mir denken konnte, dass er bei diesem Schnee sein Fahrrad sicher schieben muss und mit dem großen Paket seine Schwierigkeiten haben wird, überzeugte ich die Kinder, dass es besser sei, umzukehren.
Enttäuscht, den Papa nicht gefunden zu haben, wanderten wir zurück. Die Raben flogen durch die Luft, und ein Käuzchen rief wehmütig. Müde stiefelten unsere Kleinen durch den Schnee. Da kam mir der Gedanke, sie doch alle drei auf den Schlitten zu setzen und bis nach Hause zu ziehen. Dieser Eindruck war so klar und entsprach wirklich nicht meinen inneren Wünschen, dass ich wusste, es kann nur Gott sein, der mich dazu auffordert. Doch mein Ich, mein Eigenwille, wollte natürlich nicht der Aufforderung gehorchen. Drei Kinder mit dem Schlitten zu ziehen, bedeutete auch für mich Anstrengung, außerdem haben sie ja noch gar nicht geklagt. Obwohl meine Jungs noch nichts sagten, konnte ich mir denken, dass sie geschafft waren, denn ich war es auch. So eine lange Wanderung auf nicht geschobenen Wegen ist für kleine Kinderfüße schon eine Herausforderung! Nun musste ich mich entscheiden: Folge ich meinen Wünschen oder diesem Eindruck, von dem ich genau wusste, das es Gottes Wunsch war? Aus Erfahrung weiß ich, dass es immer einen Sinn hat, wenn Gott mich um etwas bittet, auch wenn ich es weder verstehe noch einsehe. So entschied ich mich zum Gehorsam und konnte den Unwillen überwinden. Die Kinder waren außer sich vor Freude, als sie alle auf den Schlitten durften und Mami nun ihr Pferdchen spielte. Alle Enttäuschung war vergessen. Als wir so ein Stück unseres Weges trabten, rannte vor uns plötzlich eine aufgescheuchte Bache mit ihren acht Frischlingen auf den Weg. Ich blieb sofort stehen und fragte in einem Stoßgebet, was ich im Falle eines Frontalangriffes tun soll. Die Herde Wildschweine war offensichtlich sehr aufgeregt, wir dagegen standen allein auf weiter Flur. Der Weg, auf dem wir uns befanden, war so breit wie eine gut ausgebaute Straße, dann kam erst noch ein Streifen Wiese, bevor der Wald wieder begann. Mich überkam eine außergewöhnliche Ruhe. Mir war klar, dass es keine Möglichkeit zum Verstecken gab. So stellte ich mich vor die Kinder, die glücklicherweise eng aneinandergedrängt auf dem Schlitten saßen. Ihnen gebot ich, ganz still zu sein. Dann beobachtete ich genau die Bache, sie überquerte den Weg und kam uns auf dem Wiesenstreifen entgegen, also immerhin mit etwas Abstand. Neben uns blieb sie dann stehen, musterte uns, grunzte und wühlte in der Erde. In der Tat, sie tat sehr geschäftig, doch sie ließ uns nicht aus dem Blick. So standen wir uns gegenüber, und die Minuten vergingen. Die Wildschweine wühlten und grunzten und ließen uns dabei nicht aus den Augen. Wir regten uns nicht. Für die Kinder war dieser Anblick nun sehr interessant, sie sahen wirklich echte Wildschweine, nicht nur im Bilderbuch. Über die Gefahren waren sich zumindest die beiden Kleinen nicht bewusst. Und jedes Mal, wenn sie mir etwas zuflüsterten, kam die Bache ein paar Schritte näher und stellte sich in voller Größe vor mich hin. Zwischen uns lagen nur sehr wenige Meter.
Es dauerte eine Viertelstunde, bis sich die Wildschweine von uns trennten und in den Wald gingen. Wie schauten ihnen noch nach, bis sie endlich unseren Blicken entschwanden, denn wer weiß, was sie gemacht hätten, wenn wir uns auch bewegt hätten. Jedenfalls schaute sich die Bache noch einige Male nach uns um. Dann fingen die Kinder ganz aufgeregt von dem an zu sprechen, was sie gerade erlebt und beobachtet haben. Simeon und Nathanael fanden das wirklich sehr interessant; Samuel sagte nur: „O Mama, so etwas Gefährliches haben wir erlebt, und unser starker Papa war gar nicht dabei, nur du kleine Mami! Und es hat alles gut geklappt, da hat uns unser Heiland aber dolle beschützt.“ Ja, so war es, wir konnten hier ganz deutlich den Schutz Gottes erleben. Als die Kinder dann zu Hause eifrig damit beschäftigt waren, die Wildschweine zu malen, dachte ich noch einmal über Gottes Führung nach. Was wäre geschehen, wenn ich nicht, seinem Wunsch folgend, alle Kinder auf den Schlitten gesetzt hätte? So prägte es sich mir wieder tief ein, dass sich Vertrauen in Gottes Anweisungen und Gehorsam lohnen. |
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