Hilfe, ich bin trotzig!Unsere beiden großen Jungs waren gerade drei und vier Jahre alt. Da sie damals fast gleich groß waren, nahmen sie vom selben Pulloverstapel, teilten sich geschwisterlich die Unterwäsche und die Nachtsachen. Da Samuel etwas längere Beine als Simeon hatte, waren Hosen und Strumpfhosen jedem Kind zugeordnet. Das mögen Sie vielleicht etwas komisch finden, aber es klappte gut und gab kaum Streit um Lieblingssachen. Im Gegenteil, sie lernten, mehr an den anderen als an sich selbst zu denken. Bis auf wenige Ausnahmen. Einmal gab es im Schrank nur noch zwei Paar Nachtsachen, für jedes Kind eins. Als ich sie den Kindern hinlegte, war mir sofort bewusst, dass es Schwierigkeiten geben würde. Die blauen Nachtsachen mit der Eisenbahn waren die absoluten Lieblingssachen beider. Gewöhnlich achten wir gemeinsam darauf, dass sie sie beide abwechselnd anziehen können. Doch wussten wir diesmal nicht mehr, wer sie das letzte Mal anhatte. Mir als Mutter fiel es schwer, eine Entscheidung zu treffen, da immer ein Kind enttäuscht sein würde. So kam mir die Idee, die Entscheidung in Verbindung mit einer Charakterschwäche unserer beiden Jungen ausfallen zu lassen, die Bummeln und Träumen heißt. Also sagte ich unseren Jungs, dass derjenige sich zuerst Nachtsachen raussuchen dürfe, der sich zügig auszieht und wäscht. Ob diese Idee nun gerade gut war, weiß ich bis heute nicht. Sie zogen sich aus und wuschen sich, doch der Jüngere tat es wirklich konzentriert und zügig, während der Ältere jammerte, dass er unbedingt die „Eisenbahnnachtsachen“ haben wolle und dabei nicht gerade schnell vorankam. Als Simeon nun fertig war, suchte er sich prompt die „Eisenbahnnachtsachen“ aus. Samuel war enttäuscht, wurde trotzig und brachte seinen Trotz auch stark zum Ausdruck. Verständlicherweise war er in diesen Emotionen gefangen. Doch ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Gott Sieger über diese Gefühle ist und uns davon befreien möchte. So bin ich mit ihm in die Stube gegangen und habe Verständnis gezeigt. In einem kurzen Gespräch hat er mir seine Gefühle beschrieben. Dann ermutigte ich ihn, das alles unserem Heiland zu sagen, der ihn davon befreien und wieder glücklich machen kann. Nach kurzer Überlegung betete er sinngemäß so: „Lieber Heiland, ich habe einen Trotz, weil ich nicht die Eisenbahnnachtsachen anziehen kann. Ich will sie wirklich haben. Das geht aber nicht, und darum bin ich trotzig. Ich will trotzig sein, denn das ist gemein. Aber ich will auch meiner Mami gehorchen, denn dann kann ich glücklich sein. Lieber Heiland, ich will trotzig sein und ich will Mami gehorchen, ich will trotzig sein und will glücklich werden. Hilf du mir, dass ich gerne Mami gehorchen möchte, dann werde ich wieder froh. Aber das ist schwer, weil ich immer noch trotzig sein will. Da musst du mir einfach meinen Trotz wegnehmen, ja mache das bitte! Nimm du meinen Trotz weg! Amen.“ Nach dem Gebet, welches mich tief berührt hat, kam er auf meinen Schoß und strahlte mich an. Mich fest umarmend sagte er „Danke, Heiland!“ |
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