Die Macht der Worte

Mühsam schaufelte unser Papa Kohlen. Es war sehr heiß und die Arbeit schien ihm nicht gerade große Freude zu bereiten. Nein, unser Papa klagte und stöhnte nicht, aber seine Augen waren so ausdruckslos. Mit aller Kraft widmete er sich der Arbeit. So gut das auch war, verbreitete er dennoch einen unangenehmen Einfluss auf alle, die in seine Nähe kamen. Samuel schaute sich das ein Weilchen an. Liebend gern wollte er mitschaufeln, aber er durfte ja nicht. Das bedrückte sein kleines Kinderherz.

So kam er zu mir in die Küche und erzählte mir seinen Kummer: „Mami, was ist denn mit dem Papa heute los, er ist so komisch. Und ich darf gar nicht helfen. Und dabei wollte ich ihm eine Freude machen, damit er wieder lachen kann!“ „Nun, ich weiß nicht“ entgegnete ich, „vielleicht müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen, was ihn wieder aufmuntert.“ „Aber was denn, Mama, ich habe wirklich keine Idee“ seufzte Samuel. „Nun, lass uns beten und überlegen! Ich bin sicher, wir werden bald wissen, wie wir unserem Papi helfen können.“ Gesagt, getan. Wir beteten und schmiedeten Pläne. Ja, nun wussten wir, wie wir es versuchen sollten. Samuel war zwar erst einmal sehr skeptisch, als die Lösung des Problems lediglich in ein paar netten Worten bestand. Doch ich ermutigte ihn, es einfach auszuprobieren. Da stand er noch ein Weilchen bei mir in der Küche und legte sich die Worte zurecht. „Du bist aber stark, Papa, dass du so viel Kohlen alleine schaffst!“ Oder sollte er lieber sagen: „Papa, ich habe dich lieb, weil du dich so gut darum kümmerst, dass wir im Winter nicht frieren müssen“? Und wie wäre es mit: „Ich freue mich aber, dass mein Papi so stark und fleißig ist! Ich habe dich dolle lieb!“ Ja, irgend so etwas müsste er Papa sagen. Wie aufgeregt war Samuel doch plötzlich!

Ich streichelte ihm durchs Haar und ermutigte ihn noch einmal. Dann ging er in den Hof. Und es dauerte nur einige Augenblicke bis er wieder bei mir war. Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus: „Mama, stell dir vor, es hat geklappt! Erst hat Papa weitergearbeitet, als hätte er mich gar nicht gehört. Aber dann hat er mich angeschaut und ein bisschen gelächelt und dann wurde sein Lächeln immer größer! Ich bin ja so glücklich, Mami! Und dann hat Papi noch gesagt, ich sei sein guter Junge!“

Da nahm ich meinen Sohn in den Arm und gemeinsam dankten wir Gott für diese geniale Idee. Welch eine Macht haben doch nette Worte!