Das hölzerne GeschenkNach einem heißen Sommer wurde es plötzlich empfindlich kalt. Oder war man diese Temperaturen nach drei Monaten Dauerhitze nicht mehr gewohnt? Ich sehnte mich nach etwas Wärme. Sollte ich im August unsere Kachelöfen schon heizen? Warum eigentlich nicht. Da gab es nur ein Problem: wir hatten kein Holz mehr! Der erste Winter nach dem Umzug war grimmig kalt und äußerst lang. All das Holz, das wir im Herbst noch mühevoll aus dem Wald geholt hatten, war aufgebraucht. Und so ganz ohne Auto und Kettensäge wollten wir uns diese Mühe nicht noch einmal machen. So warteten wir auf bessere Zeiten. Als wir dann im Juni endlich ein Auto hatten, dachten wir sofort an unser Holz. Aber es gab Schwierigkeiten mit dem Forst. Woche um Woche wurde unsere Holzsammelaktion hinausgeschoben. Auch alle weiteren Versuche, irgendwo an Holz zu kommen, scheiterten. So kam es, dass der Sommer fast vergangen war, ohne dass wir uns auch den geringsten Holzvorrat anlegen konnten. Es war herbstlich kalt. Ich kehrte den Hof. Das trockene Kastanienlaub machte mir zu schaffen. Dabei drehten sich meine Gedanken immer wieder um das Holz. In mir arbeitete es mächtig. Einfach nervtötend! Erst als ich dem Druck der Gefühle kaum mehr standhalten konnte, erinnerte ich mich, dass ich ja einen Retter habe, der mich davon befreien kann. Außerdem kann er auch das ganze Problem lösen. So fing ich an, mit ihm zu sprechen und klagte ihm unser Leid. „Dani, was jammerst du? Der Winter ist noch weit! Noch haben wir Sommer.“ „Aber“, protestierte ich, „es ist schon kalt. Die Kastanie verliert ihr ganzes Laub und überhaupt, es scheint recht herbstlich zu sein.“ „Jetzt ist gerade erst August.“ „Aber der allerletzte Tag im August! Danach ist September. Und wie du weißt, beginnt dann die Hirschbrunft. Da können wir zwei Monate lang nicht mehr in den Wald Holz sammeln gehen. Meinst du, wir sollen erst im November bei dem ewigen Regenwetter Holz schlagen? Das nasse Zeug brennt nicht, zumal man es sowieso lange lagern muss. Und außerdem, ich hätte gern schon vor November geheizt!“ Es ist beschämend, wie man in solchen Situationen mit Gott redet, der uns nur Gutes tut. Er hat ein Herz voller Liebe, er möchte uns helfen und wir lassen uns von unseren Sorgen so gefangen nehmen, dass wir gar nicht mehr vernünftig mit ihm sprechen können. Genau diese Gedanken kamen mir in den Sinn, als ich das ausgesprochen hatte. Natürlich darf ich meinem Heiland alles erzählen, auch meinen Kummer und meine Not. Ich darf vor ihm sein wie ich bin. Doch es wäre viel besser, wenn es meine Gewohnheit wäre, mich immer gleich mit meinen Problemen vertrauensvoll an ihn zu wenden, wenn ich keine Lösung finde. Ich muss nicht verbissen alles selbst in die Hand nehmen, bis ich vor lauter Frust und Verzweiflung nicht mal mehr ordentlich mit meinem Heiland sprechen kann. Während mir all das durch den Sinn ging, wurde ich ruhig. Ich fühlte mich sanft getadelt, doch dennoch geliebt. Was hatte er gesagt? ,Jetzt ist gerade erst August.' Diese Worte klangen mir noch ein Weilchen nach. Ja, es klang so, als ob es noch genügend Gelegenheiten geben werde, Holz zu sammeln. Das beeindruckte mich. Ich fasste neues Vertrauen. Gleichzeitig bat ich für mein mangelndes Vertrauen und dessen Folgen um Vergebung. Nun konnte ich völlig entspannt weiterharken. Nur wenige Augenblicke später kam ein Auto angefahren. Kaum zu glauben – es war der Förster! Kam er endlich, um die Formalitäten zu erledigen und uns ein Gebiet zuzuweisen, wo wir Holz sammeln konnten? Ja, er kam tatsächlich wegen dem Holz. Da mein Mann gerade außer Haus war, sprach er nur kurz mit mir. Doch das waren keine guten Nachrichten: das Holzkontingent von diesem Forstjahr war schon im Frühjahr ausgeschöpft. Es bestand also keinerlei Möglichkeit, sich noch Holz zu beschaffen. Zudem bräuchten wir künftig einen Kettensägeschein und Arbeitsschutzkleidung, wenn wir uns Holz schneiden wollten, auch wenn es schon liegendes Totholz war. Nachdem er sich noch ein wenig über unseren verspäteten Holzsammeleifer lustig gemacht hatte, fuhr er wieder. Er wollte bald noch einmal vorbeischauen und mit Sebastian reden. Wer weiß, wann dieses „Bald“ sein würde! Hat er uns nicht seit Anfang Juni vertröstet und immer wieder Termine aufgeschoben? Mir war zum Verzweifeln zumute! Doch dankbarerweise hörte ich hier auf das Werben meines Heilandes und vertraute ihm diese Situation an. Erstaunlicherweise war ich sofort von all den belastenden Gefühlen befreit, ich hatte ja nun nicht mehr die Verantwortung für das Holzproblem. Ich brauchte nur noch mit Gott zu kooperieren. In diesem Fall schickte er mich ans Telefon, um die Stadtverwaltung anzurufen. Das tat ich auch. Es war nicht das erste Mal, dass ich mit diesem Anliegen dort auf dem Bauamt anrief. Bisher ohne Erfolg. Doch heute verlief das Gespräch ganz anders. Nachdem ich noch einmal unsere Not geschildert hatte, erinnerte sich Herr L. an die erste Ausgabe dieser Broschüre, die wir ihm vor einiger Zeit zugeschickt hatten. Davon beeindruckt, wollte er uns gern helfen.
Schon am nächsten Tag konnte Sebastian bei ihm eine volle Ladung eingelagerter Straßenbäume abholen – alles kostenlos! Außerdem führte er meinen Mann durch die Felder rings um Annaburg und zeigte ihm, wo er sich überall Totholz schlagen kann. Bis Jahresende könne sich Sebastian an Holz holen, soviel er möchte. Er dürfe auch ohne Sägeschein Bäume fällen, natürlich auf eigene Verantwortung, und es kostete uns außer dem Spritgeld nichts. War das nicht ein göttliches Geschenk? Aber das war noch nicht alles. Herr L. zeigte meinem Mann saftige Holunderbüsche, die nur darauf warteten, abgeerntet zu werden, zudem noch einige Bäume mit Mirabellen und Hagebuttensträucher. So kam es, dass wir nun oft als Familie in die Felder fuhren. Während Sebastian sägte, konnte ich mit den Kindern Obst und Beeren ernten. Wie gern denke ich noch an diese Zeit! Erinnern wir uns noch an den Förster? Er kam tatsächlich wenige Tage später wieder vorbei. Und diesmal brachte er gute Nachrichten mit. Das Holzkontingent sei zwar ausgeschöpft, aber man könnte ja schon mal sammeln und es aufs nächste Forstjahr rechnen. Und da die Hirschbrunft schon begann, durften wir wenigstens entlang des Hauptweges Holz lesen. Auch dieses Angebot nahmen wir dankbar an, auch wenn Sebastian mit einer Axt statt Säge losziehen musste. |
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